KARBUS, Heinz Oliver

HASENSCHROT

Max, Baustoffgroßhändler, 60, hat sich aus eigenen Kräften hinaufgearbeitet. Eigentlich hat er es geschafft. Und er hat eine attraktive Frau geheiratet, Waltraud war Stewardess, auf allen Flugplätzen daheim und an dem vitalen Jungunternehmer von Anfang an sehr interessiert. Die Ehe war glücklich und als Michi auf die Welt gekommen ist, wahrscheinlich geradezu perfekt. Mit 17 hat sich der Bub aufgehängt, ab da ist alles anders. Auch die beiden anderen Kinder Franziska und Phillip konnten diese Familienkatastrophe nicht mehr heilen. Die Frau geht schließlich fremd, ihr Liebhaber Doppler ist Gymnasiallehrer und liebt sie wirklich. Max entdeckt den Betrug und erschießt seine Frau. "Er hat sie in den Rücken geschossen, auf dem Bauch in einer riesigen Blutlacke. Die ganze Küche voller Blut. Das zerfetzte Küchenfenster. Wie im Wilden Westen. Wie im Wilden Westen."

Max hat nie gesprochen, jetzt, nach dem Tod seiner Frau bricht alles aus ihm heraus, seltsamerweise in einem endlosen Monolog mit seinem Nebenbuhler Doppler. Max erkennt: "Ich hab' sie tatsächlich erschossen, stimmt, aber in Wahrheit nicht sie. Dich, Dich habe ich die ganze Zeit gesehen, Dich, auf Dich habe ich gezielt!" Seine Demütigung erlebt er nicht nur als Mann, sondern auch als sozial Schwächerer. Der "Akademiker", der nach seinem Gefühl mächtigere, sollte vernichtet werden.

Seine Kinder können ihm nicht verzeihen. Am Ende ist es die Tochter Franziska, die zu ihm hält und ihn nach zehn Jahren wiedersehen möchte. Max: "Wieso kannst Du mir noch in die Augen schauen?" Franziska: "Du bist mein Vater." Die so banal klingende Geschichte geht bei allen Beteiligten tief, ihre einfache Sprache, ihre auf das Nötigste beschränkten Äußerungen machen das Drama um so deutlicher.

2 D    6 H

Sprechtheater - Schauspiel