WIEGAND, Katrin

WER KLOPFET AN?

Es ist Heiligabend. Franziska und Daniel sind Nachbarn, aber kaum miteinander bekannt. Jeder verbringt Weihnachten für sich in seiner kleinen Wohnung. Allein. Franziska, weil sie einen verheirateten Liebhaber hat, der zu Hause mit seiner Familie unterm Christbaum Ihr Kinderlein kommet trällert. Daniel, weil er Weihnachten aus weltanschaulichen Gründen ablehnt und arbeitend vor seinem PC verbringt. Außer dass sie beide Hoffmann heißen, wenn auch mit einer unterschiedlichen Anzahl von „f“s, haben sie nur eines gemeinsam: Still ist ihre heilige Nacht. Sehr still. Zu still.

Bis ein strippender Weihnachtsmann – ein Geschenk von Franziskas abwesendem Liebhaber - an Daniels Tür klingelt. Er hat das „f“ übersehen. Nachdem Daniel ihm klar gemacht hat, dass er keinen Weihnachtsmann ohne Mäntelchen bestellt hat, klopft der abgewiesene Künstler bei Franziska, die über dieses fragwürdige Geschenk ihres Lovers tief gekränkt ist. Das kümmert den ehrgeizigen Stripper, der seinen Auftrag erfüllen will, wenig. Ausgestattet mit eher einfachen Umgangsformen und ohne die geringste Rücksicht auf so etwas wie Privatsphäre, wirbelt er die bis dato stille Nacht gehörig durcheinander. In beiden Wohnungen. Und so kommen sich die vernachlässigte Geliebte, die so gerne in trauter Zweisamkeit die Kerzen am Baum anzünden würde und der hartnäckige Verweigerer des Weihnachtsrummels langsam näher.

Der ungebetene Gast, der nicht mehr abzuwimmeln ist, gibt einige Rätsel auf. Ist er wirklich nichts anderes als ein armer Alkoholiker auf Bewährung, der sich seine Stütze mit weihnachtlichen Gelegenheitsjobs aufbessert? Oder ist er ein raffinierter Dieb, der die beiden zwischen Tür und Tür längst beklaut hat? Verbirgt sich hinter seiner Gestalt gar ein personifiziertes Weihnachtswunder, das die arbeitslose Franziska und der intellektuell verkorkste Daniel dringend nötig haben? Jedenfalls schenkt er den beiden, was ihm selber zu fehlen scheint. Und dann passieren die seltsamsten Dinge.

Die finanziell schwer angeschlagene Franziska findet im Schrank einen Haufen Geld, Türen verschließen und öffnen sich wie durch Geisterhand, Daniels Computer stürzt ab, das Handy hat kein Netz, just als er die Polizei rufen will. Alles deutet darauf hin, dass da ein überirdisches Wesen die Dinge lenkt und zu allen erdenklichen Mitteln greifen muss, um die beiden gemeinsam unter den Christbaum zu kriegen. Denn Weihnachten bedeutet jedem was. Nur die einen, wissen es und die anderen eben noch nicht.

1 D    2 H

Sprechtheater -