BERGER, Herbert

WO DER PIROL RUFT (BÖSE STÜCKE)

Ist es die Göttin der Zwietracht, die vorüberfliegt und ein Schimpfwort ruft? Man erfährt es nie. In der friedlichen Atmosphäre einer Kleingartensiedlung wird die Insultation zuerst auch gar nicht wahrgenommen. Das Ehepaar Schuller, das gerade in der Sonne döst, hält sie zuerst gar für den wohlklingenden Ruf eines Pirols. Doch dann wird noch einmal "Arschloch" gerufen. Das Ehepaar beginnt zu überlegen, wer wen gemeint haben könnte, und als es messerscharf folgert, das Schimpfwort könne nur ihm gegolten haben und es könne nur vom Nachbarn gerufen worden sein, beginnt die Auseinandersetzung. Erst sind es nur Sticheleien, die die Nachbarn einander zufügen, dann sind es gröbere Kränkungen, schließlich werden Prozesse daraus. So sehr ist Herr Schuller in diese Konfrontation verstrickt und von ihr besessen, daß - als wirklich einmal ein Pirolruf ertönt - er diesen gar nicht mehr erkennen kann. Er hört nur mehr "Arschloch" und wird zum Mörder.

1 D    1 H

Sprechtheater - Schauspiel

Dekorationen: 1