BAUER, Wolfgang

ACH, ARMER ORPHEUS

Cary (Orpheus) steht für den ewigen Sänger-Dichter und zugleich schlechthin für die Dichtung. „Ich bin gut zu lesen... Ich bin ein Gedicht“, heißt es im mehrschichtigen Werk, das auch jede Menge ironischer Anspielungen und – ähnlich wie in Bauers „Herr Faust spielt Roulette“ – (rituelle?) Schlachtungen parat hält. Mit einem Gott im selbstgewählten, versperrten Käfig ist Bauers Personage wieder einmal recht üppig geraten.

Gerhard Melzer, Grazer Universitätsdozent für Germanistik: ACH, ARMER ORPHEUS!, in diesem Werk bringt Wolfgang Bauer rückhaltloser denn je die quälende Zwischenexistenz des Künstlers zur Sprache, dessen rauschhaft-zerstörerische Entäußerung an die Kunst, die er sucht und flieht zugleich. Dieser Schwebezustand zwischen Traum und Wirklichkeit, Diesseits und Jenseits, Innen- und Außenwelt bestimmt auch die Form des Stücks, und es ist gewiß kein Zufall, daß Bauers Text dem Jazzmusiker Miles Davis zugeeignet ist: die assoziative, scheinbar willkürliche Tonfolge des „Free Jazz“ bezeichnet auch die Ordnung, der Bauers Stück verpflichtet ist. Hinter den Bildentwürfen freilich verbirgt sich eine tieftraurige und aberwitzige Meditation über das Wesen der Kunst und des Künstlers, und es bleibt sehr zu hoffen, daß Dramaturgen, Theaterdirektoren und die Kollegen von der Theaterkritik sich endlich dazu bequemen, die Image-Mauer des alten „Magic-Wolfi“ zu überspringen: jenseits des angegrauten Gemäuers warten die weiten, unentdeckten Theaterlandschaften Bauers auf Erkundung.

8 D    9 H

Sprechtheater - Schauspiel