WILDGANS, Anton

ARMUT

Die Familie des kleinen Postbeamten Joseph Spuller lebt in einem Wiener Hinterhaus in bedrückender Armut. Zwischen der Mutter, die aus gutem Hause stammt und ihren Kindern, dem Gymnasiasten Gottfried und der Angestellten Marie, herrscht eine ständige Spannung, die schließlich zum Ausbruch kommt. Eines Tages erkrankt der seelisch und körperlich verbrauchte Vater schwer. Nach sieben Wochen ist fast alles versetzt, was in der Wohnung noch Wert hatte.
Der Untermieter Strantz, Sohn reicher Eltern, will der Familie nur dann helfen, wenn Marie sich ihm hingibt. Ihre Weigerung bringt ihn zur Besinnung, und er unterstützt die Familie trotzdem. Auf den verzweifelten Ausruf des Sohnes „Armut, Armut, was werde ich durch dich?“ antwortet ihm der sterbende Vater „Ein Bettler, wenn er nach dem Besitz anderer verlange, ein Mensch, wenn er leidend erkenne, dass andere ärmer sind, ein Dichter, wenn er verschlossene Herzen für die Armen öffne, ein Heiland, wenn er für sie sterbe“. „Der Fremde“ – der Tod – erlöst den sterbenden Vater schließlich von der Furcht und verkündet ihm die Vollendung in der Auferstehung.

Das gespannte Verhältnis zwischen Mutter und Sohn kann auch durch den Tod des Vaters nicht beigelegt werden, vielmehr stehen sie sich am Schluss des Stücks versöhnt gegenüber. Jeder geht seiner Wege.


Das Trauerspiel ist ein symbolhaltiges Problemstück mit autobiografischen Zügen, das die Forderung zum Inhalt hat, sowohl die Gesellschaft als auch die Dichtung habe sich mit dem Phänomen der Armut auseinanderzusetzen.

2 D    8 H

Sprechtheater - Schauspiel

Dekorationen: 2

Werkangaben: Trauerspiel in 5 Akten