LANDOVSKY, Pavel

ARREST

Die Gefängniszelle, in die der Dissident Vanek eingeliefert wird, ist ein absurder Mikrokosmos. Relativ unbeschadet überstehen zwei Zigeuner – einer davon ist taubstumm – den Gefängnisalltag. Ein kommunistischer Druckereiarbeiter, der zu seiner Bereicherung falsche Straßenbahnfahrscheine gedruckt hat, kann es nicht ertragen, sich mit dem regimekritischen Vanek auseinandersetzen zu müssen, da er immer noch als linientreuer Parteigenosse gelten will. Der Älteste in dieser Zelle ist ein fast siebzigjähriger Offizier, der sein Leben teils in Gefängnissen, teils in Militärkasernen zugebracht hat.
Die Szenerie bietet Momentaufnahmen einer ausweglosen Situation. Als letzte Flucht bleibt nur noch Toleranz, Vanek hat nicht einmal mehr einen Vorwurf parat, - er bringt für den auf der Parteilinie verharrenden Kommunisten Verständnis auf.
Grundsätzliches wechselt mit Streit um die Privilegien in der Zelle, ein vermeintlicher Gefängnisaufstand entpuppt sich als Filmaufnahme von der Befreiung durch die Russen 1945.

Auch wenn Humor und Aggression nicht gänzlich verloren sind, lässt sich ein resignativer Zug dieser Szenen nicht verleugnen: Wo die Rechte nicht mehr gelten, bleibt den vom Recht ausgeschlossenen Menschen nur noch Toleranz und Solidarität – als letzter Widerstand und zum eigenen Überleben.

0 D    7 H

Sprechtheater - Schauspiel

Übersetzer: Gerhard und Alexandra Baumrucker

Uraufführung: Oktober 1981, Akademietheater Wien

Dekorationen: 1