WITKIEWICZ, Stanislav Ignazy

BEELZEBUB - SONATE ODER EIN WIRKLICHER VORFALL IN MORDOVAR

Inhalt

Erster Akt: Salon der Großmutter Julia

Sie erzählt ihrem Enkel, dem Komponisten Istvan, die Gesichte eines jungen Musikers, der von der perfekten Sonate träumt. Er wäre von diesem Wunsche verrückt geworden und lebte in der Einbildung, mit Beelzebub in der Hölle gewesen zu sein. Schließlich hätte er sich am Fuße des Berges Cikla erhängt.
Mit dieser Erzählung wird die eigentliche Handlung vorweggenommen, denn auch Istvan träumt von der perfekten Sonate und fühlt in sich die „dreidimensional-auditive Tonvision“, kann aber seinen Vorstellungen keine Form geben.
Baltazar, ein ehemaliger Pianist, jetzt Plantagenbesitzer in Brasilien, kommt ihm zu Hilfe. Er hatte als Pianist keinen Erfolg, ersetzt aber Konzerte der Welt durch eine gewisse Erotik. Baltazar entwickelt seine satanische Ideologie: Beelzebub selbst kann nicht komponieren, aber durch die Vernichtung der anderen kann er die Wahrheit des Bösen zur Geltung bringen, und das ist erst heute, in der Zeit der künstlerischen Perversionen, möglich geworden.
Das Auftreten anderer Personen bricht das Gespräch ab, es entsteht der übliche Streit um Ehre, Heiratspläne etc.: im Zuge dessen erschießt Baron Sakalyi seine dämonische Geliebte Hilde, um die Prophezeiung der Großmutter zu erfüllen. Istvan und Baltazar verlassen die Gesellschaft und wollen ihre Theorie der Beelzebub-Sonate verwirklichen. Baronin Sakalyi und ihr Sohn begehen Selbstmord. Alle anderen genießen den schön-seltsamen mordovarischen Abend.

Zweiter Akt: Die Hölle – kitschig-dämonisch

Baltazar wächst als Strafe für seinen Spott an der Einrichtung der Hölle ein Schwanz, aber er verwandelt sich schnell in Mephisto, lässt sich durch einen teuflischen Lakaien den Schwanz abhauen und gewinnt dadurch an Ansehen. Lakaien bringen die Särge von Hilde und Baron und Baronin. Istvan möchte nach Mordovar zurückkehren, weil er Blut und Gehirn von Künstlern braucht, um auf diesem Planeten existieren zu können, und die Hölle wäre ohnehin eine ausgezeichnete Werkstatt für Komponisten. Mephistos Ziel: Erschaffung durch Vernichtung.
Istvan ist das Mittel, durch das der Teufel die Musik des reinen Bösen destilliert in die reine Form schaffen kann. Als Belohnung erweckt der Teufel die Leiche von Hilde zum Leben und befiehlt ihr, Istvan zu lieben. Auf diese Weise soll er sich von allen Emotionen auf einmal befreien, um sich völlig der Kunst widmen zu können. Die beiden Selbstmörder, Baronin Sakalyi und ihr Sohn, erwachen wieder zum Leben, und wie auf der Erde, bricht wieder der Streit um Heirat und Ehre aus. Istvan, von Mephisto angestachelt, begeht einen neuen Mord. Als letzte Rettung erscheint ihm seine Geliebte, Hilde, aber auch sie reißt ihm der Teufel von der Seite und peitscht ihn ans Klavier. Istvan schlägt die ersten Töne einer genialen Musik an.

Dritter Akt: Der Salon der Baronin

Tote und Lebende bei ihrem einzigen Thema – den Heiratsplänen der jungen Leute. Sakalyi tritt auf, er ist gelähmt und völlig verwandelt: ein anständiger junger Mann. Die Idylle wird zerstört, die Hölle taucht im Hintergrund auf. Mephisto, auf dem Höhepunkt seiner Wut – ein Diener, der ihn verspottet, wird als „Vertreter der Menschheit der Zukunft“ von ihm erschossen. Hilde, jetzt offenkundig die Verkörperung des Bösen, verführt den verwandelten Sakalyi, der auf wunderbare Weise gesundet und zieht ihn in die Hölle hinab. Die Hölle ist der Platz für Tiger und Hyänen in Menschengestalten.
Die Wiederholung des Bösen findet statt. Sakalyi erschießt neuerlich Hilde, der Baron vergiftet sich mit Zyankali. Beelzebub begeht einen Mord; er nimmt das einzig unschuldige Mädchen Christa mit auf eine Welttournee, auf der die von Istvan in der Hölle komponierten Werke dargeboten werden. Istvan erhängt sich in Übereinstimmung mit dem saghaften Komponisten am Fuße des Cikla. Beelzebubs grausamer Kommentar: „Er hat sich überlebt und was wichtiger ist, er war künstlerisch nicht mehr produktiv. Er war schon eine Leiche vor seinem Tod.“

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Sprechtheater - Schauspiel

Übersetzer: Kasjew, Leon