SOYFER, Jura

BROADWAY-MELODIE 1492

Sein letztes Stück, sein „historisches“, in dem er „die Wirklichkeit zugunsten der Wahrheit vernachlässigen will“, ist erstaunlich aktuell. Es ist gültig als Anklage des Kolonialismus, dessen „Landnahme“ sich immer wiederholt. Soyfers „Lied des Häuptlings“ ist geradezu die Hymne dieser Weltbeglücker, die uns zu Entdeckungen in weiter Ferne verführt, so dass wir zu Hause nicht mehr mit offenen Augen erkennen, wie hier Spekulation die letzten Fleckchen Natur auffrisst.:

Noch eine Insel und noch eine Küste,
und wieder ein Stromland und wieder ein Wald
und noch eine Wiese und noch eine Wüste,
es gibt keine Grenze, es gibt keinen Halt.
Wo blüht im Land noch unentdeckt
ein Apelbaum im Garten,
wo ist der Globus unbefleckt?
Er wird bekleckt und abgesteckt
und Länder werden Karten.“

6 D    23 H

Sprechtheater - Schauspiel

Bearbeiter: Auer, Reinhard / Mittendrein, Georg