GOLDONI, Carlo / TURRINI, Peter

DIE WIRTIN

DIE WIRTIN

 

Mirandolina, selbstbewusste Wirtin eines Florentiner Wirtshauses, hat alle Mühe, sich die Männer, die in hartem Wettkampf um ihre Liebe stehen, vom Leib zu halten.

 

Ich brauche Sie nicht, verehrte Männer. Nein, das stimmt nicht.

 

Ich genieße Ihre verliebten Kalbsaugen, ich ergötze mich an Ihrer schmachtenden Ordensbrust. Sie sind so zauberhafte Karikaturen, meine Herren. Sie sehen, ich habe mein eigenes Vergnügen an Ihnen.

 

Um ihre Gunst buhlen ein armer Marchese mit Verehrung und Anbetung, ein reicher Graf mit Geld und großzügigen Geschenken und der Kellner Fabrizio, ein kleiner Gauner aus Neapel, der mit proletarischem Charme punktet.

 

Sie haben ein Gasthaus und keinen Mann.

 

Richtig. Und du bist ein Mann und hast kein Gasthaus.

 

Dejanira und Ortensia, zwei ordinäre Florentiner Dirnen, sollen sich nach Fabrizios Plan als reiche, ”adelige” Damen ausgeben, um die buhlenden Aristokraten zu ködern.

 

Ein par falsche Titel. Und schon läuft die Sache richtig.

 

Doch Mirandolina hat es darauf abgesehen, den fanatischen Weiberhasser Cavaliere von Rippafrata mit allen Mitteln weiblicher Verführungskunst an sich zu locken. Ihr Vorhaben gelingt.

 

O, Weib, meine Sehnsucht verschlingt die Entfernung!

 

Stoße mich in die Quellen des Lebens!

 

Als ihr der liebestolle Cavaliere in hoffnungsloser Leidenschaft zu Füßen liegt, quält sie ihn bis zur Verzweiflung und reicht ihre Hand– dem Kellner Fabrizio.

 

Du bist der Mann im Haus, und ich bin die Frau im Haus.

 

Wir machen alles gemeinsam. Einverstanden?

 

Die Rache des gedemütigten Aristokraten ist bitter: er hat Mirandolinas gepachtetes Wirtshaus dem ehemaligen Besitzer abgekauft und degradiert sie zum Küchenmädchen. Fabrizio wird den Gerichten ausgeliefert.

 

Als verantwortlicher Besitzer sehe ich mich gezwungen, einige personelle Veränderungen vorzunehmen.

3 D    4 H

Sprechtheater - Komödie

Werkangaben: Frei nach Carlo Goldoni