CERHA, Friedrich / WOLF, Peter

ONKEL PRÄSIDENT

Der Präsident eines riesigen Stahlkonzerns macht Urlaub in Seefeld. Auf einer Parkbank diskutiert er mit dem Komponisten über die Bedeutung der Oper und ermuntert den Musiker, eine Komödie zu schreiben. Doch der Komponist zweifelt an der Sinnhaftigkeit der Oper, beklagt sich über die allgemeine Unbildung, die Unterjochung der Künstler und bedauert das Fehlen guter Librettisten. Da erzählt der Präsident seinen vorangegangenen Tag, an dem er die nötigen Anordnungen für die Zeit seiner Abwesenheit erteilt hat. Könnte das nicht eine durchaus brauchbare Handlung ergeben? Und schon beginnt die Oper.

Der Präsident kommandiert in der Zentrale sein Personal, das ihm treu ergeben ist. Ein Fünf-Jahres-Vertrag mit dem Konzern des großen Herrn Moneymaker ist bald unter Dach und Fach zu bringen. Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. In einer Woche, nach dem geplanten Urlaub, soll Herr Moneymaker mit seiner Frau aus Amerika eintreffen. Doch die Moneymakers schneien unerwartet schon früher ins Haus, und das bringt vor allem deren Tochter Mely Moneymaker, die seit einem halben Jahr bei „Onkel Präsident“ weilt, um Deutsch zu lernen, in arge Bedrängnis. Die reiche Göre hat sich in einen Fahrradboten verliebt, der nicht nur ein armer Schlucker ist, sondern auch noch revolutionäre Ideen vertritt. Mely ist schwanger und will ihren radelnden Pepi „Powo“ Powolny heiraten. „Onkel Präsident“ soll ihr helfen, den so gar nicht standesgemäßen Bräutigam bei den anspruchsvollen Eltern durchzusetzen.

Da der Präsident um den Vertrag bangt, setzt er alles daran, aus dem dümmlichen, antikapitalistischen „Powo“ einen herzeigbaren Schwiegersohn für die amerikanischen Großkapitalisten zu machen. Da wird alles engagiert, was Rang und Namen hat. Powo muss sich von seinem früheren Leben verabschieden und sogar aus der Gewerkschaft austreten. Der wilde Knabe wird in Windeseile gestylt, in einem Crashkurs gecoacht, er soll kuschen und sich gefälligst nicht mehr in seine eigenen Angelegenheiten einmischen. Schnell wird der Generaldirektor der Stahl-AG gefeuert, um einen geeigneten Posten freizumachen. Der leicht vertrottelte Graf Schrullenhuf-Wullersdurff adoptiert Powo zwecks Adelstitel, und der nunmehr blaublütige Schützling soll mit Mely ins teuerste Hotel nach St. Moritz fahren. Powo wird sogar zum Senator ernannt.

Und dann stehen die Moneymakers in der Tür. Die aufgetakelte Mama ist begeistert und schließt den feschen Schwiegersohn glücklich in die Arme. Kann man das alles wirklich in einer Oper erzählen? Ein Spiel im Spiel, in dem sich der Kapellmeister einmischt, Arien gestrichen werden und Komponist Friedrich Cerha sich selbst ein Auftragswerk für Melys Hochzeitsmarsch erteilt. Am Schluss befinden sich der Präsident und der Komponist wieder auf der Parkbank in Seefeld. Sie sind einvernehmlich davon abgekommen, Opern zu komponieren. Falstaff ließe sich ohnehin nicht übertreffen.            

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Musiktheater - Oper

Komponist: Cerha, Friedrich

Werkangaben:  nach einer Idee von Ferenc Molnárs Eins, zwei, drei in einem Vorspiel, einem Akt und Epilog