BREITEBNER, Konstanze

SAG NIE WIEDER SCHATZI ZU MIR - DON'T SCHATZI ME

Mila und Fred sind im besten Alter, aber ihre Ehe ist in die Jahre gekommen. Die Kinder sind gerade aus dem Haus, und eigentlich wäre das der Zeitpunkt für den Orchestercellisten und die Chiropraktikerin, sich nach zwanzigjährigem Familienstress wieder intensiver einander zu widmen. Zu ihrer eigenen Verwunderung hat ihre Ehe alle Krisen überstanden, während die Beziehungen neben ihnen reihenweise in die Brüche gingen. Sie sind perfekt aufeinander eingespielt, der eine weiß, was der andere denkt, noch bevor der den Mund aufmacht.

Nach einem feuchtfröhlichen Abend macht Fred den Mund allerdings etwas zu weit auf und erzählt freimütig über ein offensichtlich schon länger existierendes außereheliches Verhältnis. Plötzlich ist alles in Frage und auf den Kopf gestellt. Jetzt heißt es Farbe bekennen, denn die Wahrheit ist zumutbar - meint Mila, die ihre Ahnungen verdrängt hatte. Dass Fred die Affäre mit der Dame- zu Milas Ärger keine dumme Tusse, sondern eine gebildete Zoologin - bereits am Vortag beendet hat, ist nicht die Lösung des Problems.

Die Emotionen gehen hoch, ein heftiger verbaler Schlagabtausch zwischen allen Varianten von tränenreicher Trennung und ebensolcher Versöhnung gipfelt in Freds Entdeckung, dass auch Mila schon längere Zeit fremdgeht. Noch dazu mit einem testosterongesteuerten Tenor, der alle halben Jahre einmal das hohe C trifft und ihn zum Gespött im Orchester machen könnte. Sie macht ihm also als betrogene Ehefrau das zum Vorwurf, was sie sich selbst ausgiebig gegönnt hat.

Kann man Seitensprünge mit zweierlei Maß messen? Und ist Milas kurzzeitige erotische Selbstwertfindung weniger verletzend als die Tatsache, dass Fred sie wegen der Zoologin womöglich verlassen hätte? Müssen die letztendlich harmlosen side-steps überhaupt ein Scheidungsgrund für die beiden Dinosaurier der Ehe sein? Oder kann man "ungeschieden" weitermachen, wenn man die amourösen Verhältnisse wieder beendet? Die Wogen gehen hoch, aber in stillen Minuten im Kampf um ihr gemeinsames Leben werden Mila und Fred den Verdacht nicht los, dass sie einander doch noch sehr lieben.

1 D    1 H

Sprechtheater - Schauspiel