CSOKOR, Franz Theodor

DER VERLORENE SOHN

Historisches Stück über den Einbruch des Partisanenkampfes in eine jugoslawische Familie während des zweiten Weltkrieges.

Der Schwerpunkt liegt nicht so sehr in der Auseinandersetzung mit dem politischen Hintergrund – Csokor geht es vor allem darum, unparteiisch die Grenzen jeder noch so opferbereiten Landesverteidigung aufzuzeigen, denn jeder Befreiungsgedanke wird in Frage gestellt, wenn er nur durch Mord um je4den noch so unmenschlichen Preis durchzusetzen ist.

Otac, ein jugoslawischer Bauer, feiert mit seinen Söhnen Ivo und Pero Weihnachten und erwartet für diesen Abend die Heimkehr seines jüngsten Sohnes Stipe, der als Partisan von den deutschen Besatzungstruppen gesucht wird.

Stipe kommt wirklich, aber nur, um seine beiden Brüder zu überreden, sich den Partisanen anzuschließen. Beide lehnen ab, Ivo nicht zuletzt deshalb, weil seine Frau Marja ein Kind erwartet. Sie sind aber bereit, Stipe wieder heimlich fortzubringen. Stipe fürchtet, von seinen Brüdern, die er zu Mitwissern machte, verraten zu werden und beschließt, sie zu ermorden. Er weiht Otac, den Vater, ein, der in einem furchtbaren inneren Konflikt im entscheidenden Moment schweigt und damit seinem jüngsten Sohn die beiden anderen opfert.

Peros Frau Jela, in der durch die schrecklichen Ereignisse jeder Funke Menschlichkeit ausgelöscht zu sein scheint, verrät Otac, ihren Schwiegervater. Dieser wird verhaftet und hingerichtet – das Haus wird niedergebrannt, während Marja, von allen verlassen, ihr Kind zur Welt bringt.

3 D    10 H

Sprechtheater -

Uraufführung: 18.09.1947, Burghtheater/Ronacher, Wien