CAMOLETTI, Marc

Am 16. November 1923 in Genf geboren. Italienischer Abstammung, von Kindheit an Pariser Franzose.

Weil sein Vater Architekt war, sollte auch er Architekt werden. Er fühlte keine ausgesprochene Berufung.

Auf jeden Fall wandte er sich von der Architektur ab und der Staffelei-Malerei zu. "Bildhaft!", stellte er fest. Als der Bilderhändler, der seine Ausstellungen veranstaltet, verschwindet, setzt er brüsk einen Schlussstrich unter diese Tätigkeit.

"Halt", sagt er sich, "ich werde ein Stück schreiben." Es nennt sich Semiramis und wird erst 1963 im Theater Edouard VII aufgeführt. Das erste seiner Stücke, das gespielt wird (1958), ist La Bonne Anne. Das Theater des Capucines, das sich überraschend in Verlegenheit befand, gab dem jungen Autor eine Chance. "Warum diese plötzliche Leidenschaft für die Komödie? Eine Vererbungssache? Ein Stücke schreibender Urgroßvater unter dem Empire? Das Interesse für die Aufführungen der Comédie Francaise, für die man mir bereits im Alter von sechs Jahren ein Abonnement gegeben hatte?" Von da an rangierte er Paletten und Pinsel aus.

"Wenn man jahrelang seine Tage einer Arbeit gewidmet hat, ist es nicht möglich, zu dieser Arbeit nur noch ausnahmsweise, des Vergnügens, der Entspannung halber zurück zu kehren. Außerdem: Die Malerei erfordert Einsamkeit, das Theater das Gemeinschaftsleben. Der Übergang von der einen Kunst zur anderen gestattet keine Zwischenlösungen.

" Robert Murzau, Darsteller in La Bonne Anne, wurde plötzlich krank. Marc Camoletti entschloss sich, die Rolle zu übernehmen und spielte sie lange Zeit. Er spielte auch gelegentlich die beiden männlichen Rollen in Boeing-Boeing (Comédie Gaumartin, 1960)

"Ich musste mir die Mühe machen, einen Text in seiner Gesamtheit zu lernen und nicht nur die jeweiligen Person, denn für mich ist die Erwiderung in einem komischen Dialog nur das Bruchstück eines Mosaiks.

Komödie spielen ist mir ein Vergnügen, zumindest für einige Zeit, aber ich kann es nur, wenn das Stück bereits seine Erstaufführung gehabt hat und ich es von außen sehe wie die Zuschauer. Eine Rolle zum ersten Mal schöpferisch spielen, das kann ich nicht, denn es wäre eine zu große Belastung, wenn in den Proben zu der Unsicherheit und Unruhe des Autors noch die Unsicherheit des Darstellers käme.

Das gleiche gilt für die Inszenierung, bei der ich so stark mitarbeite, dass ich für meine Regisseure bestimmt schwer zu ertragen bin. Aber ich brauche diese Regisseure, ich brauche nicht nur ihr Können, ihr Talent, sondern auch das Vertrauen, das sie in mein Stück setzen, indem sie sich dafür interessieren. Meine Inszenierung von L'amour Propre (Edouard VII, 1968) war eine Ausnahme."

Camoletti starb am 18. Juli 2003

Stücke im Thomas Sessler Verlag