Alexander Ganseborn ist mit Marie verheiratet, liebt aber Dunja. Als Marie sich aus dem Fenster stürzt und auch Dunja nichts mehr von ihm wissen will, beginnt er eine groteske Tour de force durch Wien, ehe er nach Jerusalem reist, um Terrorist zu werden. Doch dort ereilt ihn nicht der Hass, sondern die Liebe. Sarantos Zervoulakos Bühnenfassung des Franzobel-Romans erzeugt mit nur drei Darstellern ein komödiantisches Feuerwerk!
ausführliche Beschreibung
Der Arabisch-Übersetzer Alexander Ganseborn, ein graziler junger Mann von vierunddreißig Jahren, blutarm, nervös, hohlwangig, mit zartgliedrigen Händen und einer mäßig vorstehenden, leicht aufwärts gebogenen Nase im teigigen Gesicht, ist mit Marie verheiratet, verliebt ist er aber in seine Schulfreundin Dunja, die „Göttin seines Herzens“. Ihr Techtelmechtel bleibt nicht unentdeckt. Als er wieder einmal im Morgengrauen heimkehrt, stürzt sich Marie in verzweifeltem Zorn samt den Kindern aus dem Fenster. Doch auch Dunja will nichts mehr von ihm wissen. Er beginnt eine groteske „Tour de Force“ durch Wien, ehe er nach Jerusalem reist, um Terrorist zu werden. Doch nicht der Hass ereilt ihn dort, sondern die Liebe. Eine sanftmütige Ballade im Stil einer Heavy-Metal-Band.
Sarantos Zervoulakos lässt die opulente Geschichte in einer Zelle in Jerusalem beginnen. Alexander sinniert über krepierte Mottenmännchen, die an Fliegenfängern kleben, geile Mottenmachos, die, von einem Duftstoff angezogen, sich paaren wollten, dabei jämmerlich verreckt sind – und stellt sich die Frage: „Was bin ich? So eine irregeführte, geile, kleine Motte?“ In kurzen zeitüberschreitenden Sequenzen wird die absurde Liebesgeschichte – weniger ist mehr – von nur drei Darstellern auf engstem Raum erzählt. Mit effizientem Einsatz markanter Requisiten springen sie, auf einer Pritsche sitzend, von einer Figur in die andere und stehen vor der Herausforderung, die trashige Love-Story zwischen formaler Reduktion und komödiantischer Überfülle zum Leben zu erwecken.
„Sarantos Zervoulakos gelingt es auf wundersame Weise, die ausufernde Geschichte zu straffen, zu verdichten, Franzobels Sprachgewalt dabei herauszukitzeln und auf lediglich zwei Quadratmetern Spielraum gleichsam zur Explosion zu bringen. Drei Darsteller sitzen auf einem Bumsbett, frontal zum Publikum, und sind in dieser scheinbaren Handlungsarmut so energiegeladen, so klar im Sprechen und intensiv im Spiel, dass sich in der Phantasie tatsächlich die verrücktesten Welten öffnen. Mit blitzenden Augen galoppieren die Schauspieler durch Text, Rollen und Emotionen – ein treffsicherer verbaler Schlagabtausch, eine feuchtfröhliche Inszenierung in ihrer Mischung aus Formenstrenge und boulevardesker Spielfreude.“
nachtkritik.de
„Regisseur Sarantos Zervoulakos ist es mit Feingefühl und Mut zur Textentrümpelung gelungen, Franzobels slapstickhafte Zorntirade erfolgreich auf die Bühne zu bringen.“
Der Standard
„Ein auffallend starker Zugriff.“
Theater der Zeit