Der ebenso überzeugende wie provokante Entwurf einer gar nicht so fernen Zukunft, in der Überwachungsstaat und Identitätspolitik sich prächtig vertragen.
„Wer in einer Diktatur lebt, bemerkt das oft nicht. Sie reden hier von Menschlichkeit, aber sie wollen uns zu Maschinen machen.“
Mit Witz und Tempo erzählt Cordula Simons bitterböser Roman von einer Zukunft, die unserer Gegenwart beängstigend nah ist: Überwachung und Selbstregulierung durch einen implantierten Log sind Alltag geworden, wer sich entzieht, macht sich verdächtig. Als Sandor, der Wettermann des Aufrichtigen Äthers, vor laufender Kamera die zerstörerischen Pläne der Toleranzunion verrät, zeigt sich das Regime von seiner gnadenlosen Seite: Er wird unerbittlich verfolgt, genauso wie die „Wölfe von Pripyat“, eine angebliche Terrorgruppe, die gegen den Konsul kämpft, der scheinbar wohlmeinend über die Union herrscht. Simons großer Roman entwirft die halluzinatorische Vision einer Zukunft, in der auch die ersehnte Freiheit nur eine digital erzeugte Illusion, ein besonders raffinierter Trick des Systems ist.
So bleibt von dieser unterhaltsamen, spannenden und geistvollen Lektüre an erster Stelle die Frage, was Freiheit in unserer vom Digitalen bestimmten Welt bedeuten kann.
Wolfgang Straub, Ö1 EX LIBRIS
Enorm geschickt zieht Cordula Simon in ihrem düsteren Prosastück die Strippen der Spannungserzeugung. Clever bindet sie eine vermeintliche Terrorgruppe namens „Die Wölfe von Pripjat“ in das außerordentlich packende Geschehen ein. [...] Cordula Simon entpuppt sich in ihrer pessimistischen Utopie als kühne Erbin von George Orwell, Margaret Atwood und Doris Lessing.
Ulf Heise, MDR KULTUR
Cordula Simons Vision eines Überwachungsstaats wirkt bedrohlich realistisch und nah.
Sebastian Fasthuber, FALTER
"Die Wölfe von Pripyat" sind spannend, beklemmend und beunruhigend. Und haben damit derzeit leider nur eine Konkurrenz: die aktuellen Nachrichten.
Wolfgang Huber-Lang, APA
Der Zynismus von Cordula Simon nimmt streckenweise den Atem, ebenso die visionäre Fantasie der Autorin, die schon lang vor den aktuellen Ereignissen in der Ukraine an ihrem Roman geschrieben haben muss. (...) Soll man das lesen? Unbedingt.
Karin Waldner-Petutschnig, KLEINE ZEITUNG