Schonungslos und präzise seziert Evelyn Grill die Anatomie eines Verbrechens.
„ Die meisten Probleme gab es eigentlich schon früher, wahrscheinlich schon immer, da hat er sie noch nicht so mitgekriegt, und sie gingen ihn eigentlich auch nichts an."
Begabt ist der Junge gewiss, den „kleinen Mozart“ nennen sie ihn in dem Städtchen. Doch jetzt sitzt er im Gefängnis – zu Unrecht? Schicht für Schicht steigen wir in die Tiefen seiner Erinnerung. Mit geradezu qualvoller Raffinesse enthüllt Evelyn Grill, wie aus einem Jungen, der ohne Freunde und ohne Mutter bei seinen Großeltern aufwuchs, der von seinem Opa, dem Schuldirektor, einer Autorität im Ort, aufgezogen und gefördert, gehätschelt und erniedrigt wurde, ein Verdächtiger, vielleicht ein Mörder wurde. Denn die Oma ist tot, erschlagen mit einer Hacke, und der Opa, der war im Wirtshaus, als es geschah. Meisterlich zieht Evelyn Grill die Fäden dieses grausamen Romans über die alltägliche Gemeinheit und die Sehnsucht nach Anerkennung.
Dieses Wolferl ist gefährlich: Evelyn Grill erstellt ein Gruselkabinett der oberösterreichischen Provinz. Verschlüsselt, geheimnisvoll, schräg und abgründig komisch – das ist die Rezeptur, nach der die österreichische Schriftstellerin Evelyn Grill ihre Romane zusammenmischt. Überraschungen sind dabei die Gewürze.
Lerke von Saafeld, FAZ
Das gleichermaßen Faszinierende wie Gruselige an diesem Roman sind das allmähliche Verstehen dieses jungen Menschen, der bisher reiner Befehlsempfänger war, und der nüchterne distanzierte Erzählton, durch den der Rückblick auf das eigene Leben zum Ausdruck der sozialen Kälte seiner Umgebung wird. (…) Mit diesem Text ist der Autorin ein intensives Psychogramm gelungen: Denn nicht die Verbrechenstat steht im Mittelpunkt der in immer größerem Radius kreisenden Gedanken, sondern der allmähliche Durchbruch verdrängter Inhalte in das Bewusstsein. Evelyn Grill, die Meisterin des kühlen, analytischen Blicks auf ihre Figuren und der präzisen Sprache, hat mit dem Roman „Der Begabte“ ein literarisches Kleinod geschaffen.
Alexandra Millner, DIE PRESSE
Manipulation, Gewalt und düstere Abgründe in die menschliche Seele legt die Autorin raffiniert frei.
Wolfgang Atzenhofer, KURIER
Evelyn Grill (…) ist eine Meisterin des Morbiden.
Wolfgang Huber-Lang, APA
Grill beschreibt ohne Pathos; man merkt der glasklaren Sprache ihrer Bücher an, dass sie einst Jus studiert hat. Es geht ihr um die Menschen hinter den Fällen – und um verkorkste Machtstrukturen.
Karin Cerny, PROFIL