Kaschmirgefühl

nach dem Roman von Bernhard Aichner,
Bühnenfassung von Bernhard Aichner und Florian Eisner

Bernhard Aichner / Florian Eisner / Bernhard Aichner

Ein meisterhaftes Spiel der Irreführung zwischen Lüge und Lüge.
„Unter dieser Nummer gibt es keine Wahrheit.“
Von Einsamkeit getrieben ruft Gottlieb eines Nachts bei einer Sexhotline an. Zum ersten Mal hört er Maries Stimme – und mit einem Schlag verändert sich sein ganzes Leben. Sie erzählen sich das Blaue vom Himmel und erfinden gemeinsam eine Liebesgeschichte. Eine, die von Minute zu Minute mehr zu ihrer eigenen wird.
ausführliche Beschreibung
Gottlieb lernt Marie über eine Sexhotline kennen. Kennen ist zu viel gesagt: Er hört zum ersten Mal ihre Stimme. Doch Gottlieb will keinen Telefonsex. Er sucht das Gespräch. Immer wieder unterbricht einer von ihnen den Dialog, um ihn nach kurzer Zeit wieder fortzusetzen. Von Anfang an ist da etwas, das die beiden verbindet. Und trennt. Denn wer Gottlieb und Marie wirklich sind, geben sie nicht preis. Einmal arbeitet er in einem Hospiz, dann ist sie ein Zimmermädchen, dann wieder ist er … und sie eine … Das Spiel um ihre Identitäten geht immer wieder in eine neue Runde. Lustvoll erzählen sie sich das Blaue vom Himmel und erfinden gemeinsam eine Liebesgeschichte. Eine, die von Minute zu Minute mehr zu ihrer eigenen wird. Hat Gottlieb diese Nummer wirklich zufällig gewählt? Und ist Marie wirklich die, die sie vorgibt zu sein? Am Ende dieser Nacht steht ein neuer Anfang.

Die Isolation der Gesellschaft, diktiert von digitaler Parallelkommunikation, ist die tragikomische Basis dieser Geschichte. Unter einer Vielzahl von Freundschaften im Netz, die man mühelos anfragen und nach Laune wieder löschen kann, ist es schwierig geworden, einander wirklich kennenzulernen. Die Angst vor Enttäuschung hemmt die natürlichsten Szenarien. Muss man den anderen schon vor Beginn einem Härtetest unterziehen, bevor man sich traut, sich wirklich aufeinander einzulassen? Eine starke Liebesgeschichte, die als Bühnenfassung dem Roman gerecht wird.

Romantik, Komik, Tragik: hier spielt alles mit. Und über allem liegt die Spannung, der „Sound“, der zum Motor aller Geschichten Aichners wird. Aichner lässt die Sehnsucht nach einem glücklicheren Leben Regie führen. Die Sehnsucht treibt seine Figuren weiter. Mit Wucht in die offenen Arme des anderen. Ein meisterhaftes Spiel der Irreführung zwischen Lüge und Lüge. Mit überraschender Wende. Denn am Anfang und am Ende steht die Wahrheit.
1D 1H
Schauspiel
UA: 28.11.2020, Kellertheater Innsbruck