Tscharlie der Kegel oder Der uneheliche Sohn des Herrn Karl

Herwig Seeböck

Der Herr Karl lebt weiter: jünger, vermeintlich moderner – und keinen Gedanken fortschrittlicher.
Tscharlie ist dreißig, arbeitet in einem Ersatzteillager und hält sich für einen modernen, aufgeschlossenen Menschen. Während der Arbeit redet er nahezu ununterbrochen auf einen schweigenden Kollegen ein: über Frauen und Ausländer, Politik und Umweltschutz, Arbeit, Alkohol und seinen verstorbenen Vater. Dabei entlarvt er sich mit jedem Satz selbst. Hinter seiner vermeintlichen Fortschrittlichkeit kommen Vorurteile, Frauenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und autoritäres Denken zum Vorschein.

Seeböck stellt Tscharlie in die Tradition von Helmut Qualtingers und Carl Merz’ berühmtem Herrn Karl: Wie dieser offenbart er im scheinbar harmlosen Plauderton nach und nach eine erschreckende Gedankenwelt. Seeböck versetzt diesen Typus in eine jüngere Generation – doch die alten Ressentiments und Denkmuster erweisen sich als erstaunlich langlebig.
1H
Monolog
UA: 30.03.1978, Theater der Courage, Wien