Eine Schulklasse steigt in einen Bus. Jugendliche im Alter von etwa fünfzehn Jahren. Rita Engel, die Kontrolleurin, sitzt in der letzten Reihe. Als der Busfahrer starten will, trommelt jemand gegen die Tür und verschafft sich im letzten Moment Zutritt. Es ist Albert Friedmann. Er redet wie ein Wasserfall. Als wäre er unter Drogen. Das ist er auch. Er hat Tabletten geschluckt und tut das in einem fort. Er will seinem Leben ein Ende setzen. Rita Engel lässt den Bus anhalten und spricht Albert direkt an. Sie scheint alles über ihn zu wissen. Über seine Eltern, über die Schule und dass er total in der Scheiße steckt. Von einem Freund wurde er nach einem vertrauten Brief gemobbt und dann als schwule Sau beschimpft. Rita, die selbst todkrank ist und bald sterben wird, provoziert ihn. Die Fassade des coolen Jungen bricht zusammen. Was bleibt, ist ein verzweifelter junger Mensch, der mit sich und der Welt nicht zurechtkommt. Albert ist schwul, ausgegrenzt und angefeindet. Sie bestärkt ihn, zu sich zu stehen und zu sagen, wer und was er ist. Albert fasst Mut. Die Begegnung mit der Kontrolleurin, die wohl der Himmel geschickt hat, gibt seinem Leben eine Wende.
ausführliche Beschreibung
Ein Drittel aller jugendlichen Selbstmörder in Österreich ist homosexuell. Auch wenn es in der allgemeinen Toleranzdebatte zu diesem Thema Fortschritte gibt, so ist die Ausgrenzung Homosexueller in unserer Gesellschaft immer noch Tatsache. Offensives Outing und defensiver Rückzug und das stille Hinnehmen von alltäglichen Ungerechtigkeiten stehen in einem unausgeglichenen Spannungsverhältnis. Ein junger Mensch in der Phase der Identitätsfindung und auf der Suche nach seiner sexuellen Orientierung steht diesem Problem ohnmächtiger gegenüber als ein Erwachsener, der sich nach harten inneren Kämpfen zu seiner Homosexualität bekennt.
Die Zuseher:innen sind Fahrgäste, die sich gemeinsam auf eine Himmelfahrt begeben. Aichners Sprache ist die eines verletzten Fünfzehnjährigen, der seine inneren Qualen artikuliert und einen Ausweg sucht. Und findet. Das mobile Erlebnis im Bus sprengt die üblichen Theaterwände. Das ungewöhnliche Ambiente schafft auch den Rahmen für offenen und den Horizont erweiternden Diskussionen in der freien Landschaft.
„Ich möchte dazu beitragen, dass wir darüber reden, nicht nur hinter vorgehaltener Hand, sondern zu Hause am Mittagstisch." (Bernhard Aichner)
„In der Sprache der Jugendlichen spricht Bernhard Aichner ein Tabu an und zeigt dabei, welche Möglichkeiten Theater hat.“
Moni Brüggeller, Kronen Zeitung, 3. Juni 2014
„Aichner … hat einen packenden Text über die Verlorenheit einer Teenager-Seele geschrieben … Ein Jugendstück ohne moralinsauere Besserungsbotschaft.“
Tiroler Tageszeitung, 3. Juni 2014