Die Grenze

(The Border)

Jan Quackenbush

An einer Grenze zwischen Leben und Tod begegnen sich zwei Menschen, die ihre eigene Wirklichkeit erfunden haben.
Ein junger Grenzwächter, eigentlich Dichter und gegen seinen Willen Soldat, hat beschlossen, sich das Leben zu nehmen. An einer von ihm selbst errichteten Grenze trifft er auf eine alte Frau, die Zeitungen zu ihrem Mann Alfred bringen will. Ohne den erforderlichen „Schein“ darf sie die Grenze jedoch nicht passieren. Was zunächst wie eine groteske Begegnung mit einer absurden Bürokratie erscheint, entwickelt sich zu einem poetischen Spiel über Wirklichkeit und Illusion, Leben und Tod.

Allmählich zeigt sich, dass beide Figuren an der Schwelle zwischen den Welten stehen. Die alte Frau hält unbeirrbar an der Vorstellung fest, ihr kranker Alfred warte zu Hause auf sie – obwohl ihr Sohn ihr längst gesagt hat, dass Alfred tot ist. Der Grenzwächter wiederum schwankt zwischen Todessehnsucht und dem Wunsch weiterzuleben. Als die Nacht immer kälter wird, gibt er der Frau seine Kleidung, legt sich mit dem Kopf über die Grenzlinie und bittet sie zu singen. Der Chor öffnet schließlich die Grenze und trägt ihn davon. Die alte Frau bleibt allein zurück.
1D 1H
Schauspiel
Übersetzung aus dem Englischen:
Estella Schmid