Ohio...? Wieso?

Gabriel Barylli

Die Problematik zwischen Mann und Frau in der Sackgasse der Beziehung
"Er hatte immer die Fernbedienung."
Martin und Maria stehen vor dem Scherbenhaufen ihrer Ehe. Dabei hat alles so gut angefangen. Im Rückblick agieren Andreas und Clarabella als Zeugen und Begleiter auf dem dornigen Weg vom Traualtar bis zum Scheidungsanwalt. Liegt die Lösung aller gescheiterten Beziehungsmodelle womöglich in Ohio?
ausführliche Beschreibung
Martin und Maria, beide gebrannte Kinder in Sachen Beziehungen und Ehen, lernen einander bei einer Vernissage kennen.
Im Gegensatz zu Andreas, Martins bestem Freund, der sich ebenfalls in einer frauenabstinenten Phase seines Lebens befindet, wirft Martin all seine Bedenken und Vorsätze über Bord und wagt den Schritt aus der „Sicherheitszone” hinaus in den freien Fall der Liebe. Diesmal würde man allerdings keine Bruchlandung beim Scheidungsanwalt erleben, sondern schon vor der Hochzeit sämtliche Sollbruchstellen der Beziehung ins Auge fassen und im richtigen Moment die entsprechenden Therapien erfolgreich zur Anwendung bringen. Auch Maria, die von ihrer besten Freundin Clarabella nachdrücklich an vergangene „Beziehungsschlachten” erinnert wird, will es noch einmal wissen. Warum soll es nicht möglich sein, einmal in diesem Leben eine Beziehung von Anfang an auf gleichberechtigter partnerschaftlicher Ebene zu führen?

Martin und Maria überzeugen ihre skeptischen Freunde und ernennen sie zu ihren Trauzeugen. Doch schon drei Jahre nach der Hochzeit stehen sie vor dem Scherbenhaufen ihrer Ehe. Nach endlosen banalen Streitereien, ins Leere führenden Diskussionen und der Erkenntnis, vom jeweils anderen permanent nur missverstanden worden zu sein, haben wieder einmal die Anwälte das Sagen. Da können auch Andreas, der mittlerweile glücklich mit seiner Plastikpuppe Mitzi zusammenlebt, und Clarabella, die ihr Beziehungsleben auf eine Internetbekanntschaft in Ohio beschränkt, nicht mehr helfen.Die Ehe ihrer besten Freunde wird geschieden. Doch anstatt einander friedlich „Leb wohl” zu sagen und ihrer Wege zu gehen, geraten die beiden einander 11 Monate nach der Scheidung erneut in die Haare. Der Rosenkrieg bricht wieder aus, im wahrsten Sinne mit verschärften Waffen.

Im Zuge eines exzessiven Streits, bei dem Martin hysterisch mit einer Pistole herumfuchtelt, lösen sich zwei Schüsse. Die beiden stürzen, tödlich getroffen, übereinander zusammen. Ratlos stehen die beiden Ex-Trauzeugen vor dem Grab der Verblichenen. Wie konnte es nur so weit kommen? „Alles andere wäre wahrscheinlich zu langweilig gewesen, irgendetwas würde fehlen”, tröstet Andreas Clarabella „und mit dir würde ich sogar nach Ohio fahren.” „Ohio? Wieso?”
„Ein köstliches Lehrstück für Beziehungsanfänger und Wiederholungstäter: Im Theater 44 inszenierte der Autor selbst die bejubelte deutsche Erstaufführung dieser fetzigen Szenenfolge. Geschickt unterläuft seine Komödie Pathos und Ernst mit Ironie und Witz, Und wo Worte versagen, helfen sentimentale amerikanische Evergreens zwischen ,Everybody loves somebody' bis zum lakonischen Fazit ,That’s me'."
NT Kultur, Wochenende, 10./11. September 2005
„Das Stück ist schlagfertig, treffsicher und klug. In seinen schönen miteinander verzahnten Ebenen ist es längst über die Rezeptbuch-Hörigkeit á la „Schicksal als Chance“ hinaus, an der sich seine Protagonisten noch zitatweise abmühen. Und am besten ist „Ohio – wieso?!“ sowieso da, wo der Abstand zum Ernst des Beziehungskrieges am größten ist: Im Kommentar und in der Kumpanei des Beiseitesprechens, im demonstrativen Desinteresse, in der Ironie und der ganzen überstrapazierten Geduld ihrer Nebenfiguren ist diese Komödie groß. Und hat, in Baryllis sparsam durchmusikalisierter Inszenierung durchaus das Zeug zum Dauerbrenner."
Süddeutsche Zeitung, 10./11. September 2005
„Einem, der vielen ungeschriebenen Theatergesetze zufolge gelten Autoren als schlechte gisseure ihrer eigenen Texte. Dem Theater 44 ist mit Gabriel Barylli eine die Regel bestätigende Ausnahme gelungen: Der Wiener inszenierte die Deutsche Erstaufführung seiner Komödie ,Ohio – wieso?!' und zauberte die ansehnlichste Inszenierung seit langem in das Guckkästchen. Der eingangs erzeugte Druck hält den ganzen Abend an. Die verschiedenen Zeit- und Erzählebenen gleiten geschmeidig ineinander, und zur Entspannung werden anrührend Popklassiker wie ,Let it be' gesungen. Die Intimität des Theaters 44 nutzte Barylli für eine Spielweise, die an den dänischen Dogma-Film erinnert: Eine unmittelbare physische Präsenz beim Verliebstein und im unvermeintlichen Rosenkrieg. Im … gelesen Naturalismus detonieren die Pointen mit umso grellerem Blitz, als sei Virginia Woolf auf den Caveman getroffen."
AZ, Kultur, Wochenende, 10./11. September 2005
„Der Wiener Schauspieler, Autor und Regisseur hat die deutsche Erstaufführung im Münchner Theater 44 auf einem hohen Energieniveau inszeniert."
Münchner Merkur, Wochenende, 10./11. September 2005
„Gabriel Barylli fühlt sich keiner Partei verpflichtet, jagt den Männern ebenso Angst ein wie den Damen, denn er fixiert Seelenzustände: ,Ohio – Wieso?!' ist eine Komödie mit irreführendem Titel und Übertreibungen ohne Ende. Barylli ist gerne ein Übertreiber. Aber einer der durch Übertreibungen gnadenlos die Realität pointiert."
Landshuter Zeitung, 10. September 2005
2D 2H
1 Dek.
Komödie
UA: 16.04.2005, neuebuehnevillach
DEA: 08.09.2005, Theater 44, München