Reise nach Pressburg

Leo Perutz

Die junge Edna entdeckt eines Nachts im gegenüberliegenden Hotel einen unbekannten Mann, der stundenlang zu ihrem Fenster herüberblickt. Von diesem Blick überwältigt, schreibt sie ihm einen Brief und ist überzeugt, in dem Fremden die große Liebe gefunden zu haben. Ihr jüngerer Bruder Warren ahnt dagegen, dass der Mann den Brief niemals beantworten wird.

Der Unbekannte ist Karl, ein junger Sparkassenangestellter, der vom gesellschaftlichen Aufstieg und einem aufregenderen Leben träumt. Er verliebt sich in eine Frau, die er für eine polnische Gräfin hält, und unterschlägt 5.000 Schilling, um mit ihr ein neues Leben beginnen zu können. Gemeinsam wollen sie nachts mit dem Schiff nach Pressburg fliehen. Doch kurz vor der Abfahrt eröffnet ihm die vermeintliche Gräfin, dass sie in Wahrheit eine Prostituierte ist und in Pressburg in ein Bordell zurückkehren will. Für Karl bricht seine sorgfältig aufgebaute Illusion zusammen.

Im Streit stößt Karl die Frau in die Donau. Auf der Flucht kehrt er in sein Hotelzimmer zurück und erschießt sich. Am nächsten Morgen trifft Ednas Liebesbrief ein – zu spät. Während Edna noch immer am Fenster gegenüber auf eine Antwort wartet, werden im Hotel die Jalousien heruntergelassen.
9D 19H
7 Dek.
Schauspiel
UA: 04.12.1930, Theater in der Josefstadt, Wien; Regie: Emil Geyer