Der Bunker

(De bunker)

Herwig Hensen

Wer darf überleben, wenn nicht alle gerettet werden können?
Der 55-jährige Lehrer Matthias Korf lebt unter der ständigen Bedrohung eines Atomkriegs. Obwohl er die Idee zunächst ablehnt, lässt er sich schließlich einen privaten Atombunker bauen. Der Schutzraum ist nur für ihn, allenfalls für eine zweite Person bestimmt – und mit ihm erhält Matthias eine Maschinenpistole, um sich im Ernstfall gegen andere Schutzsuchende verteidigen zu können. Aus der Vorsorge wird eine moralische Falle: Wer darf überleben, wenn nicht alle gerettet werden können?

Als auch seine Freundin Celia, deren alte Eltern und schließlich zehn seiner Schüler Schutz benötigen, zeigt sich, wie schnell Todesangst und Selbsterhaltung Mitgefühl und Moral verdrängen. Hensen steigert die Situation zu einer grotesken Parabel über den Überlebenswillen des Menschen und den dünnen Firnis der Zivilisation. Am Ende steht Matthias’ bittere Erkenntnis: „Wir verdienen das Überleben nicht.“ Doch das Leben geht weiter – aus dem Bunker steigen ein junger Mann und eine junge Frau, eine neue „Arche“ und der mögliche Beginn einer neuen Zivilisation.
1D 2H
Einakter
ÖEA: 03.06.1965, Theater Die Tribüne / Wiener Festwochen
Übersetzung aus dem Niederländischen:
Karl Janetschek