Akt mit Pause

Kurt Benesch

Eine Gruppe wohlhabender Touristen besucht auf einer Pazifikinsel eine makabre Attraktion: In einem angeblichen Krankenhaus können sie gegen Bezahlung durch eine dicke Glasscheibe einem jungen Strahlenopfer beim Sterben zusehen. Der 23-jährige Akira soll an den Folgen eines Atombombenabwurfs leiden. Die Besucher reagieren mit einer grotesken Mischung aus Sensationslust, Mitleid und Selbstbezogenheit. Für die Schauspielerin Kitty dient der Todeskampf sogar als Anschauungsunterricht für eine Filmrolle.

Doch der vermeintliche Todeskampf ist inszeniert. Akira ist gesund, Lea spielt die Krankenschwester, die Herztöne kommen aus der Technik – die beiden haben aus der Not der verarmten Inselbewohner eine Touristenattraktion gemacht. Als Lea das zynische Schauspiel nicht mehr erträgt, lässt sie die Täuschung auffliegen. Selbst der Journalist erkennt, dass ihm die Illusion etwas über den wirklichen Tod und über sich selbst gezeigt hat.

Die Schlusspointe kippt die Satire ins Bittere: Ein tatsächlich todkranker Mann aus Nagasaki erscheint. Er hat von dem Krankenhaus gehört und bittet darum, hier sterben zu dürfen, weil „bei Ihnen … das Sterben so leicht sein“ soll. Lea und Akira starren ihn entsetzt an – Vorhang.
4D 3H
1 Dek.
Schauspiel
UA: 25.01.1970, Stadttheater Klagenfurt