Was macht glücklich: Geld, Liebe oder gar nichts?
In Günther Leopolds satirischem Bilderbogen wird das Märchen „Hans im Glück“ in die moderne Konsum- und Wirtschaftswelt übertragen. Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm streiten darüber, ob die alte Geschichte vom Glück des Besitzlosen heute noch funktioniert. Wilhelm macht aus Hans kurzerhand „Lucky Jack“ und ersetzt Gold, Pferd, Kuh, Schwein und Gans durch zeitgemäße Statussymbole und Geschäftsmöglichkeiten.
Hans arbeitet zunächst als Sekretär des reichen Geflügelindustriellen Friedrich Händel. Als dieser beim Verzehr seines eigenen „knochenlosen Huhns“ stirbt, bestimmt sein Testament Hans zum möglichen Erben: Händels Tochter Patricia erhält das Vermögen nur, wenn sie Hans heiratet und mit ihm mindestens zwei Kinder bekommt – andernfalls fällt alles an Hans. Hans und Patricia kommen tatsächlich zusammen, doch das vermeintliche Glück wird für Hans zum Albtraum. Patricia betrügt ihn mit Charly und sorgt systematisch dafür, dass sein Vermögen dahinschmilzt.
Wie sein Märchenvorbild durchläuft Hans nun verschiedene Stationen des Besitzens und Verlierens. Hühnerimperium, Rennstall und andere Unternehmungen verschwinden, bis er schließlich ohne Besitz dasteht. Ausgerechnet jetzt findet er mit Lola und einer Gruppe von Außenseitern jene Zufriedenheit wieder, von der er zu Beginn gesprochen hat: „Wir haben nichts – und damit alles!“
Doch Leopold setzt noch eine weitere satirische Pointe: Hans bleibt nicht bei dieser Erkenntnis. Später steigt „Lucky Jack“ selbst zum erfolgreichen Geschäftsmann und Kapitalisten auf. Er besitzt Beteiligungen an Automobilkonzernen, betreibt internationale Gold- und Devisengeschäfte und sitzt schließlich – inzwischen gealtert – genau dort, wo einst sein früherer Chef Händel saß. Damit schließt sich der Kreis: Aus dem besitzlosen Hans ist am Ende selbst ein neuer Händel geworden.