O, diese Nerven

(Așa-i nervii)

Marin Sorescu

Aus einem harmlosen Gespräch über Nerven wird eine groteske Reise durch Wissenschaft, Wahn und gesellschaftliche Absurdität.
on lebt allein in einem engen möblierten Zimmer und ist mit seinen Nerven am Ende. Krankheiten, ärztliche Vorschriften, Zukunftsängste und die Zumutungen der Gegenwart beschäftigen ihn und seinen Freund Alin in immer groteskeren Gedankengängen. Da erscheint ein Professor, der Ions Wohnung kurzerhand für ein Zugabteil hält. Zunächst widerspricht Ion vehement – schließlich bezahlt er hier Miete –, doch der Professor hat für jeden Einwand eine scheinbar wissenschaftliche Erklärung. Seine zentrale Theorie lautet ausgerechnet, dass Nerven überhaupt nicht existieren und Nervosität nur durch Suggestion entstehe. Allmählich lässt sich Ion von seiner absurden Logik anstecken.

Immer stärker lösen sich die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn auf. Der Professor und Ion entwickeln Pläne, die Menschheit von ihrer Nervosität zu „heilen“, indem sie die Menschen isolieren und ihnen letztlich sogar die Verständigung erschweren. Gleichzeitig dringen bedrohliche Bilder einer Gesellschaft ein, in der Menschen abgeholt, „gesäubert“ und kontrolliert werden. Als die beiden Frauen Dorina und Magda auftauchen, behandeln auch sie das Zimmer wie ein Zugabteil und treiben das Spiel mit absurden Zukunftsvisionen, technischem Fortschritt und dem bevorstehenden „Nichts“ weiter. Schließlich weiß Ion selbst nicht mehr, was real ist. Die letzte Pointe verschärft die politische Bedrohung: Alin kehrt in Uniform zurück und verkündet amtlich: „Meine Herren, Sperrstunde.“
2D 3H
1 Dek.
Schauspiel
UA: Spielzeit 1968/69, Studioul Casandra, Bukarest; Regie: Moni Ghelerter und Zoe Stanca
Übersetzung aus dem Rumänischen:
Doina Lescu