O.K. oder Die Rache der Bilder

Bernhard Schärfl

Eine bitterböse Abrechnung mit Kunstbetrieb, Bürgertum und den eigenen Lebenslügen.
Kurzinhalt

Seit 25 Jahren versieht Oskar Kokoschka seinen Dienst als Museumsaufseher im ungeliebten Saal D. Er hält sich für pflichtbewusst, korrekt und beinahe unkündbar – einen „quasi Beamten“. Doch an diesem Morgen ist seine Verbitterung besonders groß: Sein Wunsch, endlich einen besseren Saal zu betreuen, wurde abgelehnt. Zwischen Tiraden gegen Museumsdirektor, Kollegen, Besucher und Kunstbetrieb erzählt er von seinem eintönigen Alltag, seiner zerrütteten Ehe und seinem Hass auf die Bilder, die ihn seit einem Vierteljahrhundert umgeben.

Sein Name ist zugleich Fluch und Lebenslüge. Als Jugendlicher entdeckt Oskar die identischen Initialen des berühmten Oskar Kokoschka und erklärt den Künstler zu seinem geistigen Vater. Er träumt davon, selbst Maler zu werden, hält sich für ein verkanntes Genie und versucht sich in verschiedenen Stilrichtungen – bis ihm schließlich bescheinigt wird, dass er keinerlei Talent besitzt. Statt Künstler wird er Museumswärter. Seine vermeintliche Seelenverwandtschaft mit Kokoschka und die Vorstellung vom eigenen künstlerischen Genie bleiben jedoch Teil seiner Selbstinszenierung.

Am Ende bricht diese Lebenslüge zusammen. Oskar gesteht sich ein, dass er nie Talent zum Malen besaß und zudem von Geburt an rot-grün-blind ist. Anerkennung findet er nur noch in seinen Männervereinen. Nach einem weiteren gewöhnlichen Arbeitstag verlässt er den Museumssaal. Doch kaum fällt die Tür hinter ihm ins Schloss, geschieht endlich jene Überraschung, auf die er so lange gewartet hat: Mit lautem Lachen fallen drei Bilder von den Wänden. Die Bilder nehmen gleichsam Rache an ihrem jahrzehntelangen Verächter.
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Monolog
UA: 1988, Torturmtheater Sommerhausen
DEA: 10.09.1990, Theater der Courage, Wien