Dammbruch

Gabriel Barylli

Eine Ärztin versucht, einen verstummten Patienten ins Leben zurückzuholen – und überschreitet dabei die Grenze zwischen therapeutischer Nähe und Liebe.
Richard lebt seit Jahren in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Er spricht nicht, reagiert kaum auf seine Umwelt und scheint sich vollständig in seine eigene Welt zurückgezogen zu haben. Eine Ärztin versucht beharrlich, Zugang zu ihm zu finden. Sie hält seinen Zustand nicht für unveränderlich und ist überzeugt, dass hinter seinem Schweigen ein Mensch verborgen ist, der wieder ins Leben zurückfinden kann. Dabei gerät sie zunehmend in Konflikt mit ihrem Kollegen, der ihre intensive Beschäftigung mit Richard für gefährlich hält.

Langsam gelingt der Ärztin tatsächlich der Durchbruch. Richard beginnt zu sprechen und erzählt von seiner Vergangenheit, seiner Frau Lydia, seiner Tochter und einem Leben, das für ihn längst verloren scheint. Zwischen Arzt und Patientin verschwimmen dabei zunehmend die professionellen Grenzen: Die Ärztin entwickelt Gefühle für Richard – und auch er beginnt, sich ihr zu öffnen.

Aus dem verstummten Patienten wird Schritt für Schritt wieder ein Mann, der Nähe zulassen, lieben und sich eine Zukunft vorstellen kann. Doch je näher Richard der Außenwelt kommt, desto unausweichlicher wird die Konfrontation mit seiner Vergangenheit. Dammbruch erzählt von zwei Menschen, die einander aus ihrer Einsamkeit herausführen – und von der Frage, ob ein neues Leben möglich ist, wenn das alte unwiederbringlich zerbrochen ist.