D’Artagnan ist eine Frau, Richelieu heißt Kurt-Hermann und Paris liegt irgendwie in Wien.
Die junge Netty verlässt ihre niederösterreichische Heimat und zieht, als Mann verkleidet und unter dem Namen D’Artagnan, nach Wien. Dort möchte sie Musketier werden. Kaum angekommen, legt sie sich mit Rochefort, einem Vertrauten des Kardinals, an und trifft schließlich auf Athos, Porthos und Aramis. Aus einem zunächst geplanten Duell wird schnell eine Freundschaft: Gemeinsam schlagen sie die Gardisten des Kardinals in die Flucht – aus den drei Musketieren werden vier.
Am Hof versucht unterdessen Kardinal Kurt-Hermann Richelieux, die Königin zu Fall zu bringen. Die hat ihrem heimlichen Geliebten Lord Buckingham ein kostbares Halsband mit zwölf Smaragden geschenkt. Als der König verlangt, dass sie es bei einem Fest trägt, müssen D’Artagnan und ihre Freunde nach England, um den Schmuck zurückzuholen. Doch Lady de Winter ist ihnen auf den Fersen und entwendet Buckingham zwei der Steine.
Mit viel Wiener Dialekt, Sprachverwirrung, Musik und Slapstick macht Herwig Seeböck aus Dumas’ Mantel-und-Degen-Klassiker eine österreichische Abenteuerkomödie. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger historische Genauigkeit und Heldentum als das rasante Spiel mit der Vorlage – und eine D’Artagnan, die ihren männlichen Mitstreitern beim Fechten mühelos das Wasser reichen kann. Schon der dem Stück vorangestellte Verlagstext betont ausdrücklich, dass in Seeböcks Fassung „Komödiantik“, Tempo und Spielfreude Vorrang haben und die Stärke der weiblichen Figuren besonders hervorgehoben wird.
ausführliche Beschreibung
"Die alte Mantel- und Degenkomödie bezieht noch immer ihren Zauber aus der Kühnheit und dem Tempo der Geschehnisse. Es ist eine oft abgewandelte Geschichte von Liebe, Hass, Macht, Treue und Freundschaft und bedingungsloser Ergebenheit der anerkannten Autorität gegenüber. Hinter all dieser vordergründigen und leicht durchschaubaren Handlung erscheint vor unserem geistigen Auge ganz deutlich eine verdeckte flammende Sozialkritik Europas zur Zeit Ludwigs des XIII. Tödliche Intrigen in den Kreisen der höheren Gesellschaft waren an der Tagesordnung. Die Führenden des Klerus und der weltlichen Mächte waren in einem ständig tödlichen Kampf um Macht und Vermögen verstrickt. Das Volk diente ihnen damals, wie zu allen Zeiten, als billige Handlanger, Ausführende dieses grausamen Spiels; es musste bedingungslos Leib und Leben dafür einsetzen. In Herwig Seeböcks österreichischer Fassung hat, wie immer, die Komödiantik, das Tempo der Aktionen und der Spaß am Spiel unbedingten Vorrang. Der Bezug zur heutigen Zeit ist ebenda gegeben, wo die Darstellung der weiblichen Kühnheit und Stärke in jeder Situation dieses rasanten Spiels zum Ausdruck kommt." (Herwig Seeböck)