Selbstmord leicht gemacht

Herwig Seeböck

Eine bitterböse, groteske Satire auf Bürokratie, Polizei, Behördenwillkür und gesellschaftliche Vorurteile.
Brigitte findet ihren Freund Max leblos im Bett. Neben ihm liegen leere Schlafmittelpackungen – offenbar hat er versucht, sich das Leben zu nehmen. Verzweifelt ruft sie die Rettung. Doch statt schneller Hilfe beginnt eine groteske Odyssee durch österreichische Bürokratie, Vorurteile und Amtswillkür.

Als Rettungsfahrer und Arzt endlich eintreffen, kümmern sie sich weniger um den Bewusstlosen als um die Umstände seines Selbstmordversuchs. Brigitte wird ausgefragt, beschimpft und verdächtigt. Ihre Erklärungsversuche machen alles nur schlimmer: Max ist Schauspieler, verheiratet, Vater eines Kindes und homosexuell; sein Künstlername ist Max Kern, tatsächlich heißt er Fritz Kroißlechner. Sein Freund hat ihn verlassen – darin liegt der Grund für seinen Selbstmordversuch.

Während sich Rettungsmänner, Arzt und schließlich die Polizei in Befragungen, Beschuldigungen und homophoben Tiraden verlieren, bleibt der Patient praktisch unbeachtet. Am Ende stellt der Arzt fest, dass Max inzwischen tot ist. Als Brigitte die Männer beschuldigt, ihn durch ihre Untätigkeit umgebracht zu haben, wird sie selbst zum Opfer der Staatsgewalt: Ein Polizist schlägt sie mit dem Gummiknüppel blutig. Blackout – im Dunkeln erklingt die österreichische Bundeshymne.
1D 6H
1 Dek.
Einakter
UA: 21.10.1970, Steirischer Herbst