Alles gut, James!

René Freund

Eine Komödie, nach der man seine Mutter anrufen möchte. Oder zumindest darüber nachdenkt
„Bei Eltern fällt einem die richtige Antwort nicht drei Stunden, sondern erst dreißig Jahre später ein.“
Ein geerbtes Haus, zwei zerstrittene Geschwister und ein Butler, der sich äußerst merkwürdig benimmt – „Alles gut, James!“ ist eine Komödie über das Chaos, das entsteht, wenn Gefühle und ein Testament aufeinandertreffen. Julia hängt an ihrem Elternhaus wie an ihrer Yogamatte, Paul will es so schnell wie möglich versilbern. Dazwischen: James, 82, Butler mit weißen Sneakern und lebendes Inventar, der plötzlich mehr Rechte hat, als allen lieb ist. Was tun? Verkaufen, vergiften, im Teich versenken – oder doch verhandeln? René Freund schickt seine Figuren mit viel Witz, Tempo und Herz durch ein familiäres Minenfeld, in dem jede Pointe zündet.
ausführliche Beschreibung
Die große Gerda Elbers – Schauspielerin, Lebenskünstlerin, Clown im besten Sinne – weilt nicht mehr unter den Lebenden. Ihre Kinder Julia und Paul reisen also an, ins altmodische Landhaus mit den Perserteppichen und dem Ganesha-Souvenir aus den Siebzigern, um das Erbe zu regeln. Doch Erbschaften sind wie Blind Dates: Man hofft auf etwas Schönes – und bekommt meistens Probleme. Für die Geschwister Julia und Paul ist dieses Problem ein charmant-verstaubtes Landhaus, das offiziell rund 600.000 Euro wert ist, emotional aber unbezahlbar. Jedenfalls sieht Julia, spirituell angehaucht und finanziell pleite, im Haus an der Kastanienallee (ohne Kastanien) ihr Refugium. Paul, pragmatischer Familienvater mit Allergie gegen Gefühlsduseleien aller Art, sieht vor allem eines: den Verkaufswert.

Genügend Stoff für einen Konflikt, wäre da nicht James, der alles noch schlimmer macht. Der angebliche Butler in weißen Sneakers ist der letzte Zeuge des Familienlebens. Er wohnt seit Jahren im Gartenhäuschen, kennt alle Geheimnisse, heißt in Wirklichkeit Fritz, verwechselt Fremdwörter auf eine Art, die man nur als gepflegt bezeichnen kann, und teilt en passant mit, dass er mit der Verstorbenen verheiratet war. Und Erbe des Hauses ist. Während Julia und Paul sich mit juristischen Begriffen wie „Erblasserin“ und „vorverstorben“ abmühen, stellen sie die wirklich wichtige Frage: „Was machen wir mit James?“

Was folgt, ist eine irrwitzige Tour durch alle Varianten der Konfliktlösung: Mordfantasien mit Brieföffner, Pilzragout-Pläne à la True Crime, moralisch höchst flexible Verhandlungstaktiken – und immer wieder der Versuch, „einfach nett zu sein“, was Julia und Paul fast noch schwerer fällt. Denn Geschwister sind einander „die genetisch am engsten verwandten Wesen der Welt“, aber im Alltag oft weiter auseinander als Nord- und Südpol.

René Freund verwandelt diesen Familiensprengstoff in eine pointendichte Komödie über Erben, Loslassen und die Frage, was ein Zuhause wirklich ausmacht. Ein Kammerspiel mit viel Tempo, scharfem Witz und einer großen Überraschung. Am Ende bleibt eine tröstliche Erkenntnis: Alles wird gut. Also gut genug. Zumindest für James. Wer immer das sein mag.
2D 1H
1 Nebenrolle
Komödie
Frei zur: UA