Der Brillant

Ein Märchen zur Jahrhundertwende

Günter Seidl

Ein Brillant, zwei Welten und die trügerische Hoffnung auf ein besseres Leben.
Wien in der Silvesternacht 1899: Im vornehmen Haus des Rechtsanwalts Adolf Hötzendorf wird mit großem Aufwand dem neuen Jahrhundert entgegengefeiert. Während im Salon getanzt und über Fortschritt und Zukunft gesprochen wird, lebt nur wenige Straßen weiter die Familie des Kanalstrotters Merkinger in bitterster Armut. Günter Seidl stellt diese beiden Welten unmittelbar nebeneinander.

Als Lisa Hötzendorf ihren wertvollen Brillantring verliert, werden Merkinger und seine Kollegen in den Wiener Kanal geschickt, um danach zu suchen. Für die armen Männer wird der Brillant zum Hoffnungsschimmer: Finderlohn und Arbeit könnten einen Ausweg aus ihrem Elend bedeuten. Doch während sie im Kanal vergeblich suchen, taucht der Ring im Hause Hötzendorf wieder auf. Aus Angst vor öffentlicher Blamage beschließt die Familie, den Fund zu verschweigen – die Kanalstrotter sollen weitersuchen.

Für Merkinger wird die vermeintliche Chance zur bitteren Illusion. Sein kleiner Sohn stirbt, die Familie kann weder die Miete noch das Begräbnis bezahlen. Trotzdem klammert er sich an die Hoffnung, den Brillanten doch noch zu finden und damit ein neues Leben beginnen zu können. Am Ende steigt er erneut in den Kanal hinunter – auf der Suche nach einem Ring, von dem die Zuschauer längst wissen, dass er dort nicht liegt.