Die geputzen Schuhe

Eine Sandlerballade

Günter Seidl

Drei Sandler, eine Erbschaft und ein spätes Stück vom Glück.
Emmi, Doktor Schatz und Tschinkerl leben als Obdachlose in Wien. Ihr Alltag spielt sich zwischen einer Branntweinstube und einem Abbruchhaus ab, das ihnen als Schlafplatz dient. Hinter ihren derben Späßen und gegenseitigen Sticheleien stehen gescheiterte Lebensgeschichten: Besonders der ehemalige Arzt Schatz ist tief abgestürzt und hat nach Gefängnis, Verlust seines Doktortitels und Alkoholproblemen schließlich auf der Straße geendet.

Da erreicht Tschinkerl die Nachricht, dass seine verstorbene Schwester ihm eine kleine Erbschaft hinterlassen hat. Plötzlich scheint sich sein Leben noch einmal wenden zu können. Emmi träumt bereits vom „Sandler zum Millionär“, Tschinkerl selbst will mit dem Geld zunächst die gemeinsamen Schulden begleichen. Die drei gönnen sich einen Tag mit gutem Essen und Alkohol, müssen dabei aber erfahren, dass sie trotz des Geldes von der bürgerlichen Gesellschaft weiterhin als Außenseiter behandelt werden. Tschinkerl erkennt, dass ihm seine Freiheit und die Freundschaft seiner Gefährten mehr bedeuten als gesellschaftliche Anerkennung.

Von seinem ersten Geld kauft er sich einen Mantel und vor allem neue Schuhe. In der Nacht sitzt er im Abbruchhaus und putzt sie voller Freude – ein kleines Zeichen seiner wiedergewonnenen Würde. Doch am nächsten Morgen ist Tschinkerl tot. Doktor Schatz trägt nun die geputzten Schuhe des Freundes. Die drei Zurückgebliebenen trinken auf ihn und beschließen, sein restliches Geld gemeinsam zu vertrinken.
2D 7H
5 Dek.
Schauspiel
UA: 1984, Theater Forum, Wien