Bassena-G'schichten

Nach den beiden Einaktern "Verschiedenes und "Bassena"

Günter Seidl

Zwischen Gemeindebau, Bassena und Beisl tun sich menschliche Abgründe auf
Günter Seidls „Bassena-G’schichten“ verbindet zwei Milieustudien aus dem Wiener Vorstadtleben. Im ersten Teil steht die Familie Lindner im Mittelpunkt. Vater Lindner ist überzeugt, mit Zucht, Ordnung und seinen kleinbürgerlichen Wertvorstellungen aus seinen Kindern „etwas Rechtes“ gemacht zu haben. Während Sohn Georg Jus studiert, verbirgt Tochter Isabella jedoch ein Leben, von dem ihre Eltern nichts ahnen.

Isabella ist an den Spieler und Zuhälter Franz geraten und geht für ihn auf den Strich. Immer wieder borgt sie sich bei ihrem Vater Geld, um Franz zu unterstützen. Der wiederum ist beim skrupellosen Geldverleiher Weisemann hoch verschuldet und benutzt Isabella immer rücksichtsloser. Als Franz sie schließlich zwingt, sich auch Weisemann zur Verfügung zu stellen, eskaliert die Situation brutal. Gleichzeitig gerät auch Georg in Schwierigkeiten: Am Ende finden die Eltern ihren Sohn bewusstlos auf einer Parkbank, während die schwer misshandelte Isabella nach ihrer Mutter ruft.

Der zweite Teil führt in ein Wiener Mietshaus und an dessen Bassena, den gemeinsamen Wasserhahn auf dem Gang. Hier begegnen einander die geschwätzige Mitzi Stangl, der politisch ambitionierte Student Theobald Grün, die aus Herzegowina stammende Hausbesorgerin Radmila Jankovic und der erfolglose Vertreter Eduard Klopf. Aus Klatsch, Vorurteilen, politischen Sprüchen, sexuellen Anzüglichkeiten und alltäglichen Streitereien entsteht ein ebenso komisches wie bissiges Bild des Zusammenlebens. Besonders Frau Stangl entlarvt sich mit ihrem unerschütterlichen Selbstbild als „anständige Frau“ immer wieder selbst.
3D 6H
Schauspiel
UA: 1983, Theater Auersperg