Ein multinationaler Konzern hat den ultimativen Chip entwickelt. Er wird den Menschen direkt ins Gehirn implantiert und schickt sie alsbald in den Cyberspace. In geheimen Vorstandssitzungen wird zum Teil zynisch über Gewinnmaximierung diskutiert, Strategien werden entworfen, und dazu wird auch intern fleißig intrigiert. Ein Machtkampf, bei dem es nicht an Untergriffen mangelt.
Librettist Alfred Zellinger war jahrelang Topmanager in großen Konzernen und hat diese Welt schon in dem 1985 erschienenen Roman „Das Spiel der Konzerne" beschrieben. Das daraus entstandene Theaterstück wurde mit großem Erfolg aufgeführt. Für „Join!" hat er es wieder überarbeitet bzw. aktualisiert.
ausführliche Beschreibung
„Es war Franz Koglmanns Idee, aus meinem 1990 im Wiener Ensembletheater am Petersplatz aufgeführten „Spiel der Konzerne“ eine Oper zu machen. Verleger Ulrich Schulenburg hatte ihn auf das Stück aufmerksam gemacht.
In den 80ern begann die Wirtschaft erstmals für ein breites Publikum interessant zu werden. Es war die Zeit der „Masters of the Universe“, die in ihrer Hybris an der Wallstreet mit Vermögen jonglierten, sie aus dem Nichts schufen – und auch wieder verloren.
Ich war Manager und Schriftsteller zugleich und dachte, dass ich darüber schreiben sollte. So veröffentlichte ich 1985 das „Spiel der Konzerne“ bei Ritter, Klagenfurt; erst als Prosa, dann als Theatertext. (1987 erschien Tom Wolfes Wallstreetroman „Bonfire of the Vanities“, ebenso Oliver Stones „Wallstreet“-Film.)
Der Sessler Verlag hat das „Spiel der Konzerne“ ans Theater gebracht. Dieter Haspel hat inszeniert. Es traf offenbar einen Nerv der Zeit, war permanent ausverkauft, zugleich ein Medienhype.
Jetzt, gut 20 Jahre später, ist das Thema Wirtschaft wieder im Trend, nicht allein der Finanz- und Wirtschaftskrise wegen, die gerade wieder in einen Boom umschlägt: Globalisierung, Ökologie, Gentechnik, Energie, Kommunikation sind die Schlagworte; erfolgreiche Unternehmen wie Microsoft, Apple, Google oder Facebook schaffen – ganz ohne Ironie – eine „Brave New World“.
Wirtschaftsleute denken in den Kategorien der Konkurrenz und der „Unique Selling Proposition“: Dass bislang noch keine Oper zum Thema Wirtschaft geschrieben wurde, liegt möglicherweise daran, dass Schriftsteller meist nicht über Führungspraxis in relevanten Unternehmen verfügen. Ich verfüge darüber: Nach meinen persönlichen „40 Jahren im Auge des Kapitalismus“, in denen es mich immer dorthin gezogen hat, wo der Wettbewerb am größten, aber auch die Chancen am höchsten waren – zu Konzernen wie Unilever, Philips, Procter & Gamble (damals so begehrt wie heute Apple, Google, Facebook, Microsoft) als Marketingleiter, Werbechef, zuletzt als CEO von Bösendorfer –, glaube ich zu wissen, wovon ich schreibe.
Der Plot beim „Spiel der Konzerne“ war einfach und ist für JOIN! geblieben: Die Sales Conference eines Computerkonzerns wird auf die Bühne gestellt – so wie sie ist, mit ihrer Sprache, ihrer Ästhetik, ihren technischen Mitteln, ihren Ritualen. Eine Konferenz, bei der das Management des Konzerns auf ein neues, sensationelles Produkt eingeschworen wird. Das Produkt: ein Mikrochip, implantierbar ins menschliche Gehirn, dessen Kapazität und Wissen er vervielfacht.
(Das war 5 Jahre vor Erfindung des Internets.)
Meine Absicht war, mit JOIN! das „Spiel der Konzerne“ dort fortzusetzen, wo es im Theater endete: Nach der Sales Conference hatte der CEO eröffnet, er habe eben in Form des Management-Buyouts und mit Hilfe des Hauptkonkurrenten die Firma übernommen. Was für die versammelte Mannschaft hieß: Die meisten von ihnen werden nicht mehr gebraucht.
Wieder trifft das Management von „G&B“ aufeinander, diesmal beim „Away-Day“ in einem der üblichen Wellnesshotels. Wieder werden sie auf ein sensationelles, neues Produkt eingeschworen – der implantierbare Chip wurde weiterentwickelt, erlaubt seinen Trägern jetzt, jederzeit online zu sein – eine Art weltumfassende Society, ein Social Net ohne lästige Hardware. Und wieder die üblichen Rituale einer Sales Conference, die Karrierestrategien, die Intrigen während der Coffee Breaks, die privaten Affären. Und wieder endet das Ganze mit einer Übernahme – und einem Verfahren wegen Insidergeschäften.
JOIN! ist übrigens kein Kommentar zur letzten Finanzkrise. Die ist vorbei. Es geht darin um eine – in die nahe Zukunft fortgeführte – Welt der heute tonangebenden Unternehmen von Microsoft bis Apple, von Google bis Facebook. Die Hybris von Managern wird thematisiert, the end of privacy, NGOs mit ihren Ökoreligionen, das Sponsoring, amerikanischer Puritanismus und der in die eigene Evolution eingreifende Mensch." (Alfred Zellinger, Wien, im Februar 2011)