Ladenschluss

Erika Molny

Ein kleiner Kaufmann kämpft gegen den Supermarkt gegenüber – bis er erkennen muss, dass die neue Konsumwelt nicht nur seinen Laden, sondern auch ihn selbst aussortiert.
Ein kleiner Lebensmittelhändler schließt am Abend seinen Laden. Gegenüber hat längst ein Supermarkt eröffnet, doch er redet sich ein, seine Stammkunden würden ihn weiterhin brauchen. Ein Angebot des Supermarkts, dort Filialleiter zu werden, weist er zunächst stolz zurück. Während er über Kunden, Konsum, Werbung und die moderne Warenwelt schimpft, wird jedoch immer deutlicher, dass sein Geschäft kaum noch überlebensfähig ist. Selbst die treue Frau Siederer kauft inzwischen gegenüber ein.

Schließlich beschließt er, mit der Zeit zu gehen und das vermeintliche Angebot anzunehmen. Doch beim Lesen des Briefes erkennt er die Wahrheit: Der Supermarkt hat das Haus gekauft und will nicht ihn, sondern sein Geschäftslokal. Statt des Postens als Filialleiter bietet man ihm lediglich eine Stelle als Lagerhalter an. Am Ende packt er Lebensmittel für die alte Frau Schassach zusammen und bringt sie ihr nach Hause – eine kleine menschliche Geste in einer Welt, in der für persönliche Beziehungen immer weniger Platz bleibt.