Kurt Weinzierls Pendelschläge

Thomas Pluch

Der Geist des verstorbenen Herrn Kernstock weiß alles – sogar, wen seine Witwe heiraten soll.
Der Postbeamte Kurt Weinzierl ist fest von seinen übersinnlichen Fähigkeiten überzeugt. Seit Jahren berät er die wohlhabende Witwe Anna Kernstock mithilfe seines Pendels – und steht dabei angeblich in direktem Kontakt mit dem Geist ihres verstorbenen Mannes. Als Anna wissen möchte, ob ihr deutlich jüngerer Verehrer Horst Hubinek es ernst mit ihr meint, fällt das Urteil aus dem Jenseits eindeutig aus: Der verstorbene Herr Kernstock ist gegen die Verbindung.

Anna löst daraufhin ihr Eheversprechen, worauf Hubinek sie auf eine halbe Million Schadenersatz verklagt. Weinzierl tritt vor Gericht zu ihrer Entlastung auf und erklärt wortreich, Hubinek habe es ohnehin nur auf Annas wertvollen Baugrund abgesehen. Im Kreuzverhör kommt jedoch allmählich ein anderer Verdacht auf: Hat vielleicht gar nicht der tote Herr Kernstock gesprochen, sondern Weinzierls eigenes Unterbewusstsein? Denn ausgerechnet Weinzierl selbst wird vom Pendel als der vom Verstorbenen gewünschte neue Mann an Annas Seite bestimmt.

Als der Richter schließlich vorschlägt, den Geist selbst zu fragen, ob tatsächlich Weinzierls Unterbewusstsein hinter den Pendelschlägen steckt, wird es brenzlig: Plötzlich bewegt sich das Pendel nicht mehr. Weinzierls festgefügtes Weltbild beginnt zu zerbrechen.
1H
1D, 2H - stumme Rollen
Einakter
UA: 07.01.1980, Villacher Kellertheater