Geisterstunde

Thomas Pluch

Ein Witwer, eine Tote und ein Liebhaber mit einer Schaufel: Auf dem nächtlichen Friedhof ist niemand so harmlos, wie er scheint.
In der Nacht nach Margaretes Beerdigung steht ihr Witwer an ihrem Grab und führt mit der Toten ein zunehmend gehässiges Zwiegespräch. Hinter seiner scheinbaren Trauer kommen jahrelange Demütigungen, Eifersucht und Hass zum Vorschein: Die gebildete und gesellschaftlich angesehene Margarete hat den ehemaligen Schmied verachtet und ihn mit einem jüngeren „Ingenieur“ betrogen. Schließlich gesteht der Witwer sogar, dass er wusste, wie seine betrunkene Frau den Autoschlüssel an sich nahm – und insgeheim hoffte, sie würde bei der Fahrt ums Leben kommen. Genau das geschah.

Doch der nächtliche Grabbesuch hat noch einen anderen Grund: Der Liebhaber will Margaretes Grab öffnen, um einen wertvollen Ring zurückzuholen, den sie ihm versprochen hatte. Der Witwer hat dies vorausgesehen und den Ring demonstrativ mit seiner Frau begraben lassen. Triumphierend glaubt er, endlich über beide gesiegt zu haben. Als jedoch plötzlich eine weiß verhüllte Gestalt aus der Dunkelheit auftaucht, flieht er entsetzt – und die vermeintliche „Geistergestalt“ beginnt seelenruhig, das Grab auszuheben.