Die Vitrine

Hans Rothe

Eine elegante Komödie über Liebe, Erinnerung und die wunderbare Unzuverlässigkeit von Legenden.
Der Bibliotheksdirektor Gérard bereitet zum 25. Todestag des berühmten Dichters Jean Corbeau eine große Gedächtnisausstellung vor. Besonders fasziniert ihn die Legende von Corbeaus geheimnisvoller „unsterblicher Geliebten“ aus seinen Jahren in Ravignon. Seine Nachforschungen führen ihn zunächst zur vornehmen Generalswitwe Adele, die schließlich gesteht, Corbeaus Geliebte gewesen zu sein, und Gérard ein grünseidenes Heft mit Liebesgedichten überlässt. Doch bald entdeckt er, dass auch die Restaurantbesitzerin Dorianne und Mademoiselle Hortense solche grünen Büchlein besitzen – und jede von ihnen ist fest davon überzeugt, die einzige große Liebe des Dichters gewesen zu sein.

Gérards Suche bringt immer neue Geliebte und immer neue Versionen desselben Mythos hervor. Als er die Frauen schließlich zusammenführt, zerbricht das sorgfältig gehütete Bild vom einzigartigen Liebesglück: Jede erkennt, dass Corbeau offenbar mit mehreren Frauen dasselbe Spiel gespielt hat. Doch Gérard rettet nicht nur seine Ausstellung, sondern auch den Mythos des Dichters. Für ihn zählt weniger die biografische Wahrheit als die „dichterische Wahrheit“: Vielleicht hat es eine unsterbliche Geliebte nie gegeben – dafür aber mehrere Frauen, die sich durch Corbeaus Liebe unsterblich fühlten.