Madonna im Apfelhag

(The Madonna in den Orchard)

Paul Foster

In der letzten Nacht seines Lebens wird ein alter Mann von den Geistern seiner Vergangenheit heimgesucht – und muss sich endlich jener Schuld stellen, vor der er ein Leben lang geflohen ist.
Der fünfzigjährige Ned lebt allein in einem verfallenden großen Haus auf einem Hügel über der Stadt. In einer warmen Frühlingsnacht wird seine Vergangenheit wieder lebendig: Freunde, Prostituierte, zwielichtige Gestalten und sein jüngeres Ich bevölkern seine Erinnerungen. Vor allem zwei Menschen lassen ihn nicht los: Jenny, die Frau, die er liebte, und Albert, sein Bruder. Schon als Kinder standen die Brüder in Konkurrenz zueinander; später wird aus der Rivalität ein Kampf um Jenny. Vergangenheit und Gegenwart gehen dabei immer stärker ineinander über.

Ned durchlebt noch einmal seine Liebe zu Jenny und die Vorbereitungen auf ihre Hochzeit. Doch hinter den glücklichen Erinnerungen verbirgt sich eine verdrängte Katastrophe. Jenny liebt Albert, und Ned wird von Eifersucht und Hass auf seinen Bruder beherrscht. Was damals geschah, lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Die geheimnisvolle Madonna warnt ihn, dass nichts für immer verborgen bleibt: Er müsse den „Wurm“, der an ihm frisst, herausreißen. Schließlich begegnen sich die Geister Jennys und Alberts und gehen gemeinsam fort – Ned kann sie nicht länger festhalten.

Am Ende stirbt Ned. Die Gestalten seiner Erinnerung versammeln sich um ihn; Jenny meint, man könne ihn einfach liegen lassen – bald würden die Blüten ihn bedecken. Die Madonna beschließt das Stück mit einem Bild von Vergänglichkeit: Nach den Blüten werden Blätter, Zweige und Schnee fallen, bis von Ned nur noch winzige Reste übrig sind. Vergangenheit lässt sich weder verändern noch zurücknehmen.
18 Darst.
Schauspiel
UA: 1965, La MaMa Experimental Theatre Club, New York; Regie: Tom O’Horgan
Übersetzung aus dem Englischen:
Heiner Bruns