Eine pointierte Gesellschaftskomödie über drei Generationen, wechselnde Geschlechterrollen und die erstaunliche Beständigkeit von Liebes- und Ehekonventionen.
n drei Bildern und drei Generationen zeigt Juliane Kay, wie sehr sich Vorstellungen von Liebe, Ehe und Geschlechterrollen verändern – und wie erstaunlich ähnlich das Ritual der Verlobung dennoch bleibt.
Im ersten Bild wirbt der junge Othmar von Bibling in einer großbürgerlichen Familie um Mathildes Hand. Alles folgt den gesellschaftlichen Regeln: Erst werden die Eltern um Zustimmung gebeten, dann Mitgift und wirtschaftliche Verhältnisse geklärt und schließlich darf der Bräutigam Mathilde seinen Antrag machen. Selbst Mathildes Geständnis, ein anderer Mann habe einst ihre Hand geküsst, wird zur Frage ihrer weiblichen „Reinheit“.
Das zweite Bild spielt in der Gegenwart. Gerda und Karl haben längst beschlossen zu heiraten; die Zustimmung der Eltern ist nur noch Formsache. Gerda ist bereits schwanger, ihre Mutter wiederum will sich scheiden lassen und einen jüngeren Mann heiraten. Die vermeintlich moderne Generation betrachtet die Konventionen ihrer Eltern mit amüsiertem Unverständnis – und wiederholt doch manches davon selbst.
Im dritten Bild sind die Rollen endgültig vertauscht: In einer Zukunftswelt sind es die Frauen, die beruflich und gesellschaftlich den Ton angeben. Kapitän Rosa hält bei Ingenieur Anna um deren Sohn Otto an. Der junge Mann ist häuslich erzogen, kann kochen und hat sogar Säuglingspflege gelernt – ideale Voraussetzungen für die Ehe. Rosa wünscht sich ein Heim mit Mann und Kindern und verlobt sich mit Otto. Am Ende verspricht Otto seiner Braut ganz wie einst Mathilde ihrem Othmar: Er werde so sein, wie sie ihn haben wolle – und mit einem Glas Sekt wird auf die Verlobung und die künftigen Kinder angestoßen.