Ein König, ein Konzernmanager und sechs Folterknechte: Witkiewicz lässt alte Macht und moderne Vernunft aufeinanderprallen – mit grotesken Folgen.
In einem rätselhaften Saal sitzt König Richard III. gefangen, bewacht von zwei maskierten Mördern. Tatiana arrangiert unterdessen für die junge Spaßvogel eine Begegnung mit dem eleganten Florestan Schlangenmord. Der selbstbewusste Vizedirektor eines mächtigen Metallkonzerns hält sich für einen modernen „Menschen der Tat“: Kunst, Religion und metaphysische Geheimnisse bedeuten ihm wenig, alles scheint erklärbar, beherrschbar und letztlich verwertbar.
Richard III. wird zum Gegenpol dieser modernen Weltanschauung. Er verspottet Florestans Pragmatismus und beharrt auf einer Wirklichkeit jenseits rationaler Erklärungen. Bald gerät Florestans souveränes Selbstbild ins Wanken. Seine Vergangenheit holt ihn ein: Seine Mutter erscheint, alte Liebesverhältnisse und Lügen werden aufgedeckt, und Tatiana rechnet mit ihm ab.
Schließlich verwandelt sich das groteske Gesellschaftsspiel in einen Albtraum. Sechs Schergen treten auf und foltern Florestan. Richard könnte als Retter erscheinen, doch auch seine Macht erweist sich als begrenzt. Er muss gehen, während die Folter fortgesetzt wird. Das Stück endet mit Florestans Schreien – die verheißene „neue Befreiung“ führt nicht in die Freiheit, sondern in eine neue Form der Unterwerfung.