Wie lange kann man das Glück auf später verschieben?
Hans und Gretel leben in bescheidenen Verhältnissen in einer Mietskaserne. Hans schuftet auf dem Bau und macht freiwillig Überstunden, denn er hat einen großen Traum: ein eigenes Haus mit Garten. Jeder ersparte Schilling wird in Ziegel umgerechnet, und erst wenn das Haus steht, soll das eigentliche Leben beginnen. Gretel arbeitet in einer Kleiderfabrik und ordnet sich diesem gemeinsamen Zukunftsplan unter – obwohl sie sich immer stärker nach einem anderen Leben sehnt.
Auch die Menschen um sie herum tragen ihre Hoffnungen und Verletzungen mit sich: Der alte Taborsky, ein Überlebender der nationalsozialistischen Verfolgung, lebt mit seinem achtzehnjährigen Neffen David in der Vergangenheit; David wiederum träumt von Freiheit und fühlt sich zu Gretel hingezogen. Und Gretels Vater Strutz, ein ehemaliger Marathonläufer und leidenschaftlicher Pferdewetter, zieht bei seiner Tochter ein und bringt das ohnehin fragile Gleichgewicht der Ehe weiter ins Wanken.
Je verbissener Hans an seinem Traum vom Eigenheim festhält, desto deutlicher erkennt Gretel, was sie dafür geopfert haben: Gegenwart, Nähe und die Möglichkeit einer Familie. Schließlich gesteht sie Hans, dass sie ihn mit David betrogen hat. Ihre bittere Erkenntnis: Hans hat das Glück wie eine Konserve für später aufgehoben – ohne zu bemerken, dass das Leben währenddessen weitergeht.
Am Ende verlässt Strutz die beiden. Ausgerechnet durch einen Gewinn beim Pferderennen kann er Hans noch das Geld für die versprochenen fünftausend Ziegel geben. Doch der vermeintliche Glücksfall erhält einen makabren Beigeschmack: Strutz hat bereits verfügt, seinen Körper nach seinem Tod dem Anatomischen Institut zu überlassen. Hans und Gretel bleiben zurück – mit Geld für weitere Ziegel, aber vor den Trümmern ihres gemeinsamen Lebensentwurfs.
UA: Mai 1969, Stadttheater Saarbrücken, Regie: Eberhard Johow
ÖEA: 1974, Volkstheater Wien, Regie: Peter M. Preissler