Doktor Irene Wagner

Schauspiel in drei Akten

Rose Meller

Eine erfolgreiche Ärztin behauptet sich in einer Männerwelt – bis die Liebe ihre Unabhängigkeit auf die Probe stellt.
Die dreißigjährige Irene Wagner ist eine erfolgreiche Ärztin, selbstbewusst, diszipliniert und ganz ihrem Beruf verschrieben. Für sie steht fest: Eine Frau, die als Ärztin bestehen will, muss vollkommen in ihrer Arbeit aufgehen. Gefühle und private Sehnsüchte haben in diesem Lebensentwurf kaum Platz.

Doch gerade ihre Unabhängigkeit provoziert ihre männlichen Kollegen. Der junge Dr. Fischer bewundert Irene und verliebt sich in sie, während ihr hoch angesehener Vorgesetzter Karsten ihre berufliche Leistung schätzt, zugleich aber zunehmend persönliche Gefühle erkennen lässt. Irene selbst scheint lange nicht wahrhaben zu wollen, dass hinter der kollegialen Nähe mehr steckt. Ihre Freundin Hertha versucht ihr die Augen zu öffnen.

Als Irene sich schließlich auf eine Liebesbeziehung einlässt, gerät das sorgfältig errichtete Gleichgewicht ihres Lebens ins Wanken. Ausgerechnet die Frau, die stets auf Vernunft, Selbstständigkeit und berufliche Leistung gesetzt hat, muss erfahren, wie schnell sie nach anderen Maßstäben beurteilt wird, sobald sie sich dieselben persönlichen Freiheiten nimmt, die Männern selbstverständlich zugestanden werden. Selbst Karsten reagiert mit verletzender moralischer Überheblichkeit und erklärt, aus der angesehenen Ärztin sei nun eine „Frau mit einem Schicksal“ geworden.

Rose Mellers Schauspiel stellt damit eine für seine Entstehungszeit bemerkenswert moderne Frage: Kann eine Frau beruflich erfolgreich und unabhängig sein und zugleich lieben und nach persönlichem Glück suchen, ohne dafür gesellschaftlich verurteilt zu werden?