A Hetz oder Die letzten Tage der Menschlichkeit

Ein präapokalyptisches Kaleidoskop in fünf Bildern

Franzobel

Asyl, Fremdenhass, Menschenhandel und politische Hetze: Franzobel verwandelt Österreich in ein groteskes Panoptikum kurz vor dem moralischen Weltuntergang.
Ausgangspunkt ist die Geschichte der traumatisierten Emigrantin Maria Mariajosefowitsch, die in Österreich um Bleiberecht kämpft und zugleich nach ihrem zur Adoption freigegebenen Kind sucht. Rund um sie entfaltet Franzobel in fünf Stationen ein groteskes Panorama aus Asylpolitik, Fremdenfeindlichkeit, Menschenhandel, Prostitution, sozialer Ausgrenzung, Korruption und rechter Politik.

Das Publikum wird mit Bussen von Schauplatz zu Schauplatz gebracht und dadurch selbst Teil einer theatralen Reise durch ein zunehmend unmenschliches Österreich: in ein Bordell, eine Kirche, eine zynische Armuts-Quizshow und andere Stationen. Videodokumente, politische Statements, Satire und drastische Spielszenen durchbrechen einander. Zentral bleibt Maria, deren Abschiebung trotz ihrer Verwurzelung im Land betrieben wird. Ein Polizist erkennt zwar, dass Gesetze für Menschen da sein müssten und nicht umgekehrt, setzt sich aber gegen das System nicht durch.

Über allem steht das Bild einer Gesellschaft, die ihre Menschlichkeit buchstäblich zu Grabe trägt: Schon zu Beginn wird sie in einer Beerdigung verabschiedet, während ein stummer Narr das Publikum vergeblich auffordert einzugreifen. Das Stück verbindet konkrete österreichische Asyldebatten mit einer weit über den Einzelfall hinausgehenden Satire auf Angst, Ausgrenzung und politische Verrohung.
4D 9H
Nebendarsteller - Doppelbesetzungen möglich
Schauspiel
UA: 29.07.2009, Theater Hausruck; Regie: Georg Schmiedleitner