Von der Wiedergeburt eines Schelms mitten in den Krisen unserer Gegenwart.
Vor dreißig Jahren verstorben, bekommt der Computerentwickler Erik Montelius ein zweites Leben geschenkt: Als erster Patient weltweit wird er aus der kryotechnischen Konservierung geholt. Fortan sieht er sein Dasein nicht in Leben und Tod geteilt, sondern in erstes Leben, zweites Leben und Tod. Doch auch im zweiten Leben ist die Welt keine bessere: Seine Frau hat seinen Geschäftspartner geheiratet – der hat zudem Eriks Ideen geklaut. Die Menschen tragen Masken über Mund und Nase, wischen auf tragbaren Computern herum und haben die Visionen von einer gerechten und umweltfreundlichen Gesellschaft aufgegeben. Erik hat nichts, kein Geld, kein Zuhause, nicht einmal einen Ausweis. Aber er hat einen Verdacht, wem er seinen ersten Tod zu verdanken hat. Und er hat einen Buchvertrag und damit die Gelegenheit, die Wahrheit ans Licht zu bringen …
Liebe Einmalgeborene Eingeborene, es nützt nichts, Sie müssen es ein zweites Mal versuchen! Das Immergleiche passiert immer wieder, es schaut nur jedes Mal anders aus. Aus diesem Buch können Sie erfahren, was passiert ist, während Sie tot waren. Uns sagt es hier Daniel Wisser, lesen Sie es, sonst versäumen Sie was! Und wenn Sie rechnen können, wissen Sie auch, wieviel es geschlagen hat.
Elfriede Jelinek
Es ist drei Jahrzehnte her, dass ich von dem Psychologen James H. Bedford hörte, der sich am Ende seiner Tage verzweifelt fragte, wie er seinen Tod werde überleben können. Als er im März 1967 starb, war er der erste Mensch, der sich auf minus 196 Grad tieffrieren ließ. Der österreichische Schriftsteller Daniel Wisser hat 2023 in seinem scharfsinnigen und geistreichen Roman „0 1 2" durchgespielt, wie es einem Menschen ergehen mag, der nach dreißig Jahren aufgetaut und in ein zweites Leben geschickt wird, und sein Romanheld erfährt, dass wiedergeboren zu werden auch nicht das reine Vergnügen ist.
Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung
Mit Montelius schafft Wisser eine ambivalente Figur, die sich weder von der Gegenwart noch der Vergangenheit vereinnahmen lässt. Neben Beatles-Exegese und der ins Hysterische überzeichneten Familiendynamik erzählt Wisser federleicht, mit Witz und Verve, von der Gegenwart und von einem, der auszog, um zum zweiten Mal zu leben, ohne Rücksicht auf Verluste.
Johanna Lenhart, Die Presse
Wissers Roman erzählt von einer binär gepolten Gesellschaft, die drängende Probleme nicht bewältigt, weil sie einen anderen, einen dritten Lösungsweg weder erkennt noch einzuschlagen für möglich hält. Ganz anders der Protagonist der Geschichte: Kaum ist er wieder unter den Lebenden, arbeitet er die Lügengeschichten des kriegstraumatisierten Vaters auf, um selbst jenseits der elterlichen Verstrickungen ein ehrliches Familienmodell leben zu können. Dieser Erzählstrang überrascht dann auch mit einer ernsten Tonalität, die insgesamt gut zur Entwicklung der Figur passt: Erik erkennt, dass sich Freiheit nur im verantwortungsvollen Miteinander realisieren lässt.
Carsten Otte, Tagesspiegel
Mit 0 1 2 ist Daniel Wisser ein höchst vergnüglicher, formal gewiefter, zugleich politisch brisanter Gegenwartsbefund gelungen.
Katja Gasser, ORF/Zeit im Bild 1
In 0 1 2 versucht der wiedergeborene Protagonist, den eigenen Tod aufzuklären. Das ist witzig, mitunter boshaft, klar zeitkritisch und raffiniert gebaut. Das Buch ist vieles in einem. Es ist aber auch ein ernüchternder Beziehungsroman und ein desillusionierender Gegenwartsbefund.
APA
Wiener Buchpreis 2024
Verfilmung
Erscheinungsdatum: 2023