Oratorium der Wölfe

Schauspiel in fünf Akten

Ernst Brauner

Wo jeder für die gerechte Sache kämpft, bleibt am Ende nur der Krieg.
Europa versinkt im Dreißigjährigen Krieg. Kaiser Ferdinand II. führt den Kampf für den katholischen Glauben, Gustav Adolf von Schweden zieht als vermeintlicher Retter der Protestanten nach Deutschland. Beide Herrscher glauben, im Auftrag Gottes zu handeln – und beide verstricken sich zunehmend in Machtpolitik, Gewalt und ihre eigenen Widersprüche. Ferdinand erkennt schon früh den absurden Kreislauf: Seine Feldherren kämpfen für ihn, er kämpft für Gott – und Gott soll wiederum für sie alle kämpfen.

Während Fürsten Bündnisse schließen und brechen und Feldherren um Einfluss ringen, trägt die Bevölkerung die Folgen. Bauern werden ausgeplündert, Frauen misshandelt, Dörfer verwüstet und Menschen im Namen der jeweils „richtigen“ Religion getötet. Selbst die Soldaten Gustav Adolfs, die als Befreier gekommen sind, unterscheiden sich bald kaum mehr von ihren Gegnern. Oxenstjerna muss schließlich feststellen, dass die Schweden es bereits schlimmer treiben als die Kaiserlichen.

Brauner verlässt schließlich die historische Wirklichkeit. Ferdinand und Gustav Adolf begegnen einander heimlich und erkennen, dass sie Gefangene derselben Maschinerie geworden sind. Beide haben betrogen und sind betrogen worden, Bündnisse geschlossen und Verrat gesät. Gustav Adolf versucht einen Ausweg zu finden: Frieden. Doch selbst dieser Frieden soll paradoxerweise erst durch weitere Schlachten erzwungen werden.

So wird der Dreißigjährige Krieg zum Modell einer Welt, in der sich politische und religiöse Ideale immer wieder in Machtansprüche verwandeln – und Menschen im Namen vermeintlich höherer Ziele zu Wölfen werden.
4D 22H
15 Dek.
Schauspiel